Sehschwächen bei Kindern erkennen

Wenn ein Kind in der Schule nur widerwillig liest oder im Sportunterricht öfter am Ball vorbei greift, sind die (falschen) Diagnosen schnell bei der Hand: Das Kind ist lesefaul, ungeschickt oder einfach unsportlich.

Kinderaugen leisten Schwerarbeit

Ob im Kindergarten, zu Hause oder später in der Schule: Kinderaugen sind immer in Bewegung und stehen fast nie still. Spätestens mit Anfang des Schulbeginns können dann die ersten Probleme auftreten: die Kinder blicken alle paar Sekunden zur Tafel, ins Heft, zur Lehrerin und ins Buch - und das über einen Zeitraum von mehreren Stunden täglich. Ständig müssen sich die Augen auf neue Entfernungen einstellen - absolute Schwerstarbeit für die Kleinen. Kinder mit schwachen Augen fallen auch oft im Unterricht auf, nämlich mit schlechten Leistungen. Viele von ihnen besitzen keine Brille, weil niemand erkannt hat, dass sie überhaupt eine Sehschwäche besitzen. Deshalb gilt sowohl für dich als Elternteil als auch für Lehrer: Schlechte Noten sind nicht automatisch ein Zeichen für eine Lernschwäche oder Faulheit - eine undeutliche Wahrnehmung und auch daraus resultierende Konzentrationsprobleme sind oft der unerkannte Grund für schlechte Leistungen.

Die Statistiken sind alarmierend: Ganze 60% der Sehstörungen im Vorschulalter gehen unbemerkt an Gesundheitschecks vorbei, so der Berufsverband der Augenärzte. Zwar gibt es einen Schulaufnahmetest sowie verbindliche U-Untersuchungen, diese prüfen die Augen des Nachwuchses aber nur oberflächlich. Das ist aus dem Grund so fatal, weil sich Sehstörungen wie Schielen korrigieren lassen, solange sich das Sehsystem noch in der Entwicklung befindet. Geschieht das nicht rechtzeitig, bleibt die Sehschwäche ein Leben lang erhalten. Selbst Brillen können dann nicht mehr viel ausgleichen. Die Heilungschancen sinken mit jedem Jahr ohne Korrektur.

Das Auge - Wunderwerk der Natur

Das Auge ist im Grunde eine wahre Hochleistungskamera. Kein anderes Sinnesorgan kann so viele Eindrücke vermitteln wie unsere Augen. Mehr als zehn Millionen Informationen nimmt es sekündlich auf und leitet sie ans Hirn weiter. Die Funktion ähnelt einer Filmkamera: Licht fällt wie bei einem Kameraobjektiv durch die „Bauteile“ des Auges - also der Hornhaut, Pupille, Linse, der vorderen Augenkammer sowie dem Glaskörper - auf die Netzhaut. Hier wird das Licht gebündelt und es entstehen Bilder. Die Netzhaut leitet sie über den Sehnerv an das Gehirn weiter. Aus einer Kombination aller Eindrücke beider Augen entsteht eine räumliche Vorstellung der Umgebung.


Frühzeitige Untersuchungen sind wichtig

Jeder Mensch nimmt etwa 80 Prozent seiner täglichen Informationen über seine Augen wahr. Sehprobleme behindern Kinder in der Schule somit sehr stark. Beginnend mit der Grundschule werden Entfernungswechsel ein normaler Alltag für das Kind. Zwar können Kinder über kurze Zeiträume eine Weitsichtigkeit von über plus zehn Dioptrien (Maßeinheit für den Brechwert optischer Systeme) ausgleichen, da ihre Linse noch relativ elastisch ist. Im mehr als fünfstündigen Unterricht ist es für sie aber unmöglich. Die Folge: Sie machen beispielsweise immer wieder dieselben Schreibfehler, weil sie das Wort nie komplett erfassen konnten und sich so falsch eingeprägt haben.

Den ersten Besuch beim Augenarzt solltest du mit deinem etwa drei Jahre alten Kind machen - außer es fällt schon vorher durch extreme Kurzsichtigkeit, Augenzittern, starker Lichtempfindlichkeit, veränderten Lidern, Trübungen der Hornhaut oder Schielen auf. Verläuft die Untersuchung beim Augenarzt ohne Auffälligkeiten, ist das Kind "normalsichtig" und muss dann nur noch alle 1-2 Jahre zu Folgeuntersuchungen. Wird beim Augenarzt allerdings die Notwendigkeit einer Brille festgestellt, sollte der nächste Termin bereits nach zwei bis drei Monaten stattfinden. Die weiteren Kontrolluntersuchungen sprichst du dann am besten direkt mit dem Augenarzt ab. Anschließend gehst du mit deinem Kind zu einem Optiker deines Vertrauens. Dort kannst du dich vor Ort ausführlich beraten und dir verschiedene Gestelle zeigen lassen. Dann findet ihr auf jeden Fall eine passende Brille, die deinem Kind gefällt.

Wichtig: Nicht jeder Augenarzt kann mit Sprösslingen gut umgehen. Du kannst einen guten Arzt daran erkennen, dass er sich mit den Kleinen Zeit lässt und auch nicht unruhig wird, wenn die Situation nicht ganz nach seinen Vorstellungen verläuft. Schließlich haben die Kleinen häufig Angst vor den merkwürdigen Apparaten - hier ist wirklich Geduld gefragt.

Eine Übersicht alle Kinderärzte in Deutschland, die verschiedene Seh-Tests anbieten oder sich auf die Augen von Kindern spezialisiert haben, findest du in unserer Kinderarzt-Übersicht (mit Suche und Bewertungen anderer Eltern!).

Typische Sehstörungen

Hyperopie (Weitsichtigkeit)

Bei der Weitsichtigkeit ist der Augapfel zu kurz. Dies führt dazu, dass das scharfe Bild erst hinter der Netzhaut entstehen kann. Schrift auf dem Papier und andere nahe Dinge kann das Kind nicht deutlich erkennen. Im Laufe der Kindheit verbessert sich diese Sehstörung oft und schlägt in der Pubertät sogar in die Kurzsichtigkeit um. Diese Störung wird unter einer Stärke von +2,5 Dioptrien selten korrigiert.

Myopie (Kurzsichtigkeit)

Das Gegenteil der Hyperopie ist die Kurzsichtigkeit. In diesem Fall ist der Augapfel zu lang, das scharfe Bild entsteht bereits vor der Netzhaut und alle Dinge in der Ferne sind unscharf. Im Gegensatz zur Weitsichtigkeit kann sich dieser Zustand bis zum 30. Lebensjahr verschlechtern. Bis zum Alter von fünf Jahren gibt es dennoch keine Korrektur. Diese wird erst beginnend mit dem fünften Lebensjahr des Kindes sowie einer Stärke von –2,0 Dioptrien vorgenommen.

Astigmatismus

Der Fehler steckt in der Hornhaut. Diese ist unregelmäßig gewölbt und sorgt so für unscharfe Bilder. Die Sehstörung ist in der Regel angeboren und kann sich im Laufe der Jahre verschlimmern. Leichte Hornhautverkrümmungen bleiben meist unbemerkt. Brillen und Kontaktlinsen können die Hornhaut glätten und die falsche Abbildung ausgleichen.

Strabismus (Schielen)

Diese Sehstörung kannst du sehr einfach selbst feststellen, da die Augen gleichzeitig verschiedene Punkte anpeilen. Die Blicke kreuzen sich und laufen nicht parallel, dadurch ist das räumliche Sehen eingeschränkt. Eine Behandlung ist hier so früh wie möglich notwendig, verwendet wird eine Brille sowie ein Augenpflaster auf dem gesunden Auge. So kann sich das schwache Auge anpassen.

Rot-Grün-Sehschwäche

Etwa neun Prozent aller Männer haben diese Schwäche, Frauen leiden seltener darunter (0,8 Prozent). Im Alltag ist diese Sehschwäche selten störend, da sich der Betroffene an seinen Seheindruck gewöhnt hat. Grafiker, Piloten oder Polizistin müssen dagegen sehr farbsicher sein. Im Gegensatz zu den anderen Schwächen ist diese angeboren und nicht behandelbar.

Katarakt

Der Graue Star bezeichnet eine Trübung der Augenlinse. Es scheint, als würde eine dünne Schicht auf dem Auge liegen, wodurch alle Farben zu grau verschwimmen. Im Laufe tritt der komplette Sehverlust ein, ohne dass der Betroffene jegliche Schmerzen erleidet. Im Anfangsstadium müssen Brillen häufig ausgetauscht werden, da sich ihre Werte schnell verändern. Auf lange Sicht ist eine Operation unumgänglich. Die Linse wird entfernt und von einer Kunststofflinse ersetzt.

Glaukom

Ein erhöhter Druck im Inneren des Auges wird als Grüner Star bezeichnet. Im Laufe der Zeit beschädigt dieser die Netzhaut und zu Erblindung führen. Diese Krankheit schreitet sehr langsam voran und ist von Betroffenen nur schwer zu erkennen. Glücklicherweise lässt sich das Syndrom in vielen Fällen mit Medikamenten behandeln, operative Methoden sind eine Alternative.

Mouches volantes

Dieses französische, elegant klingende Wort ist alles andere als harmlos. Die „fliegenden Mücken“ sind als schwarze Flecken, Punkte oder fadenartige Strukturen zu sehen. Bisher gibt es keine effektiven Methoden zur Behandlung dieser Sehstörung. Die Behandlung durch Operationen oder mit einem Laser wird kontrovers diskutiert.

Alternative Behandlungen

Neben den traditionellen Behandlungen gegen Sehschwächen gibt es auch einige alternative Methoden:

Homöopathie

Die Homöopathie beschreibt Medikamente oder Substanzen, die in hohen Mengen eine Krankheit verursachen würden. Durch die Verabreichung kleiner Dosierungen entsteht dagegen der genau umgekehrte Effekt: Die Abwehrkräfte des Körpers werden angeregt, wodurch ein natürlicher Heilungsprozess entsteht. Es gibt drei verschiedene "Heilmethoden":
  • Agaricus muscarius: Der giftige Fliegenpilz wirkt in kleinen Dosen beruhigend und für Lidzucken, Überanstrengung der Augen sowie der Sehschwäche „Grauer Star“ eingesetzt.

  • Ruta graveolens: Die Weinraute wird zur Behandlung von Augenüberanstrengungen genutzt.

Augentraining

Es klingt fast zu einfach um wahr zu sein, doch leichten Sehschwächen kann man ganz einfach mit einigen Trainingsübungen vorbeugen, verringern oder ganz rückgängig machen. Es handelt sich um nichts weiter als eine simple Muskelübung. Wie beim Training im Fitnessstudio gilt: Nicht überanstrengen! Das Training führt man zunächst für kurze Zeit aus und steigert den Ablauf. Der Ablauf ist simpel: Man verdeckt mit beiden Händen die Augen, ohne Licht durchzulassen und führt folgende Bewegungen aus:
  • Augen von links nach rechts
  • und von oben nach unten bewegen.
  • Diagonale Bewegung von unten rechts nach oben links
  • sowie von unten links nach oben rechts.
  • Mit den Augen ein Quadrat im Uhrzeigersinn
  • sowie gegen den Uhrzeigersinn zeichnen.
  • Einen Kreis im Uhrzeigersinn sowie
  • gegen den Uhrzeigersinn nachzeichnen.

Akupunktur

Die Akupunktur wird in Asien als Heilmittel für viele Krankheiten genutzt. Forscher aus den USA und China haben in einer Studie bei Patienten im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren eine Alternative zur therepeutischen Augenklappe getestet. Ein Teil der Gruppe wurde fünfmal wöchentlich an fünf unterschiedlichen Punkten mit Akupunkturnadeln behandelt. Das Ergebnis: Die Akupunktur war erfolgreicher als die Augenklappe. Somit ist die Akupunktur bei Kindern eine sinnvolle Alternative, wenn sich der Nachwuchs weigert, eine Augenklappe zu tragen.

Brille oder Kontaktlinsen?

Für Erwachsene gibt es viele Augenkorrekturen, die in Frage kommen. Bei Kindern ist es schwieriger, für sie sind nicht alle Mittel geeignet. Eltern greifen in der Regel zu Brillen mit Gläsern aus Kunststoff oder Glas. Erstere ist stabil und leicht, dafür aber auch kratzanfällig. Gläser aus Glas sind dicker und spiltteranfällig. Ist die Brille vom Arzt verordnet, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse einen Festbetrag. Die Fassung musst allerdings du als Elternteil zahlen. Wichtig beim Kauf ist der Sitz: Sie sollte gut hinter dem Ohr sitzen, damit das Kind sie beim Toben nicht verliert oder sich gar verletzt. Gute Brillen kaufst du am besten im Fachgeschäft mit einer guten Beratung, du findest allerdings auch im Internet viele gute und günstige Brillen.

Kontaktlinsen gibt es aus Kunststoff und sie werden auf die Hornhaut gesetzt. Hier fällt eine tägliche Reinigung an, den Preis übernimmt die Krankenkasse lediglich in Sonderfälle sowie Dioptrien ab ±8,0. Kontaktlinsen sind lediglich für Jugendliche ab 12 Jahren geeignet, da sie diese jeden Tag selbstständig einsetzen müssen. Ein Grundwissen an Hygiene sollte da sein, sonst besteht Infektionsgefahr für die Augen.

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