Pflegebedarf und Pflege

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Ein Pflegefall tritt in den meisten Fällen unerwartet und plötzlich auf.

Pflegebedürftig - was bedeutet das?

Als pflegebedürftig gilt, wer gesundheitlich dermaßen beeinträchtigt ist, dass er seinen Alltag nicht mehr alleine bewerkstelligen kann. Dazu zählen zum Beispiel das Treppensteigen, verlorener Orientierungssinn, sich selbständig zu waschen oder selbst zu ernähren. Wer diese Aufgaben nicht oder nur teilweise und mit Schwierigkeiten bewerkstelligen kann, ist pflegebedürftig. Die genaue Definition findest du im Sozialgesetzbuch.

Wenn dir auffällt, dass du oder ein Familienmitglied Schwierigkeiten in der Bewerkstelligung des Alltags hat, dann suche am Besten zuerst deinen Hausarzt bzw. den Hausarzt der betroffenen Person auf. Dieser kann die Lage als professionell einschätzen und dich gegebenenfalls an einen Facharzt weiterleiten.

Pflegefall - was tun?

Zunächst stellt sich die Frage, welchen Pflegebedarf die betroffene Person hat. Wenn zum Beispiel ein Elternteil dement ist und eine 24h-Betreuung braucht, ist das für die Familie sowohl psychisch als auch physisch sehr belastend - während eine Betreuung, die lediglich ein paar Stunden am Tag in Anspruch nimmt, deutlich weniger fordernd ist. Es stellt sich die Frage: Wobei braucht der Pflegebedürftige Hilfe? Sind es nur Dinge wie Anziehen, Essen machen und Einkäufe erledigen, oder muss man den Großteil oder sogar alle Aufgaben für die zu pflegende Person erledigen?

Wenn ein Pflegebedarf feststeht, kann man bei einer Pflegekasse einen Antrag auf ein Pflegegradgutachten stellen, bei dem sich ein Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung persönlich ein Bild von der jeweiligen Situation macht und die Lage sowie den Pflegegrad dementsprechend einschätzt und vermerkt.

Die richtige Pflege

Wenn der Pflegegrad feststeht, muss entschieden werden, welche Art der Pflege das Richtige ist. Das bedeutet: Entscheidet man sich für eine stationäre Pflege oder eine häusliche?

Falls du dich für die häusliche Pflege entscheiden solltest, musst du den Umfang der Versorgung entscheiden: Möchtest du einer Pflegekraft die Pflege überlassen, oder kannst du dich selbst um den Pflegebedürftigen kümmern? Nicht selten stehen nämlich Beruf, Familienleben und auch das eigene psychische und physische Durchhaltevermögen im Wege einer persönlichen Betreuung. Natürlich spielt auch die räumliche Entfernung und der vorhandene Platz in der Wohnung eine wichtige Rolle.

Eine stationäre Pflege ist vor allem sinnvoll, wenn der Pflegebedürftige einen hohen Pflegegrad hat, man selbst in zu großer Entfernung vom Pflegebedürftigen lebt bzw. durch eigene Krankheiten oder durch Zeitmangel verhindert ist, ihm persönlich zu helfen, oder wenn die Wohnung des Pflegebedürftigen nicht barrierefrei ist.

Insbesondere wenn der Bedürftige eine ständige Überwachung mit eventueller kurzfristiger medizinischer Intervention benötigt, ist eine stationäre Pflege zu empfehlen.

Eine Alternative ist die teilstationäre Pflege. Im Rahmen dieses Pflegemodells bringt man den Pflegebedürftigen z.B. tagsüber in ein Heim oder eine ähnliche Pflegeeinrichtung, so dass man wie gewohnt seinem Alltag nachgehen kann. Abends holt man den Pflegebedürftigen wieder ab um kümmert sich die Nacht über um ihn. Je nach Pflegeeinrichtung gibt es eventuell auch Abhol- und Bringdienste.

Im Folgenden betrachten wir die verschiedenen Pflegemodelle in ihren jeweiligen Vorteilen und Nachteilen.

Vorteile und Nachteile der häuslichen Pflege

Im Rahmen der häuslichen Pflege bleibt der Pflegebedürftige zu Hause und wird von einem Familienmitglied betreut (bei ambulanter häuslicher Pflege von einer professionellen Pflegekraft).

Ein klarer Vorteil dieses Modells ist, dass der Pflegebedürftige in seinem Zuhause und damit in seiner vertrauten Umgebung bleiben kann und sowohl der Tagesablauf des Pflegebedürftigen als auch des Angehörigen, der sich um den Pflegebedürftigen kümmert, in großen Teilen beibehalten werden kann - dies variiert jedoch je nach Pflegegrad. Je größer der Bedarf nach Pflege, umso größer auch die Umstellung der Tagesstruktur. Ein weiterer Vorteil ist aber, dass man die Pflege genau auf den Bedarf anpassen kann. Dem Pflegebedürftigen bleiben mehr persönlicher Freiraum und Ruhe als beispielsweise in einem Pflegeheim, zudem ist die häusliche Pflege für gewöhnlich preiswerter als die stationäre Pflege.

Allerdings muss in Betracht gezogen werden, dass der Angehörige seinen eigenen Tagesablauf und auch sein Berufsleben trotz allem umstellen muss, damit er genug Zeit für die Pflege aufbringen kann. Generell sollte der Zeitaufwand, den eine solche Pflege mit sich bringt, nicht unterschätzt werden. Auch Urlaubsplanungen werden eher schwierig. Außerdem ist eine Pflege für den pflegenden Angehörigen oft körperlich und seelisch sehr belastend.

Das Haus bzw. die Wohnung des Pflegebedürftigen muss außerdem gegebenenfalls barrierefrei eingerichtet sein. So müssen beispielsweise Treppen mit einem Treppenlift ausgestattet werden, Türen verbreitert und Bäder umgebaut werden. Solche Umbauten sind leider sehr teuer. Des Weiteren droht die Gefahr der Vereinsamung des Pflegebedürftigen, wenn dieser nicht mehr alleine das Haus verlassen kann und die sozialen Kontakte dadurch verwaisen.

Vorteile und Nachteile der stationären Pflege

Stationäre Pflege bedeutet, dass der Pflegebedürftige permanent in einer Pflegeeinrichtung untergebracht wird und dort professionelle Pflege erhält. Wie auch die häusliche Pflege hat dieses Modell seine Vor- und Nachteile.

So wird der Pflegebedürftige zu Anfang in einer ihm völlig unbekannten Umgebung untergebracht. Das schließt sowohl den Ort an sich als auch die Mitbewohner ein. Von vertrauten Menschen entfernt sich der zu Pflegende ebenfalls, da Freunde und Familienmitglieder für gewöhnlich nicht mehr so oft zu Besuch kommen. Dem Pflegebedürftigen bleibt außerdem nur ein einziges Zimmer als persönlichen Rückzugsort. Die Kosten für einen Platz in einer Pflegeeinrichtung sind meist weitaus höher als bei einer häuslichen Pflege. Als Angehöriger sowie als Pflegebedürftiger hat man noch dazu das Problem, dass der Ansprechpartner oft wechselt.

Bei einer professionellen Pflege ist allerdings immer sofort medizinische Hilfe bereit, wenn diese vonnöten ist. Die Einrichtung ist barrierefrei gestaltet und für Essen und alle wichtigen Bedürfnisse ist gesorgt. Jeden Tag gibt es - je nach Einrichtung - verschiedene Angebote zur Unterhaltung und Therapie. Der Pflegebedürftige kann sich mit gleichaltrigen Menschen in einer vergleichbaren Situationen und ähnlichen Problemen austauschen. Vereinsamung ist in einer Pflegeeinrichtung also eher selten ein Problem. Dieses Pflegemodell ist besonders geeignet für Pflegebedürftige, deren Angehörige weit weg leben.

Ambulante Pflege

Die ambulante Pflege ist ein Mix aus den beiden Modellen der stationären und ambulanten Pflege. Bei diesem Modell wird der Pflegebedürftige zu Hause von einer professionellen Pflegekraft versorgt. So wird der Bedürftige professionell versorgt und bleibt trotz allem in seinem vertrauten Umfeld. Du beteiligst dich als Angehöriger damit selbst noch an der Pflege, kannst deinen Alltag aber größtenteils beibehalten. Die Pflegekraft kümmert sich je nach Vereinbarung um verschiedene Dinge im Alltag des Pflegebedürftigen. Das können grundlegende Dinge wie Kochen, Waschen und Anziehen sein, aber auch medizinische Versorgung und Unterhaltung (z.B. Vorlesen oder Spiele spielen).

Fazit

Viele Institutionen und Organisationen bieten eine Vielzahl von Informationen und Hilfen sowohl für pflegebedürftige Menschen als auch für deren Angehörige. Es ist wichtig, einen eventuellen Pflegebedarf früh zu erkennen und entsprechend zu reagieren - das bedeutet, das Gespräch mit einem Arzt, einer Krankenkasse und/oder anderen professionellen Instanzen zu suchen, damit entsprechende Maßnahmen rasch ergriffen werden können. Nur so ist das sichere und qualitativ angenehme Leben eines Pflegebedürftigen möglich.

Wer sich weiter informieren möchte, kann auf der Website seiner jeweiligen Krankenkasse weitere Infos erhalten. Auch Kirchen und die Caritas können Informationen bieten:

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