Patchwork aus Kindersicht

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Die Anzahl der Alleinerziehenden hat in den vergangenen Jahren stark zugelegt, denn Kinder sind nicht mehr wie früher ein Grund, zusammenzubleiben.

Die Kinder sind das Wichtigste!

Auch nach der Trennung haben die Elternteile natürlich das Bedürfnis, einen neuen Partner zu finden. Ob es die Jugendliebe ist, eine Zufallsbekanntschaft oder eine sympatische Person aus den heutzutage sehr populären Internet-Börsen wie Parship.de, die beim Partner suchen helfen - durch die neue Liebe von Papa oder Mama ändert sich das Wertegefüge der Kinder. Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, aber im Rausch der Gefühle leider manchmal vergessen: Das Wohl eurer Kinder steht an erster Stelle! Beim Gründen einer Patchworkfamilie sind die Kinder zunächst meistens die Leidtragenden, denn Erwachsene sind zum einen verliebt und zum anderen sehen sie die Vorteile einer solchen Beziehung nüchterner. Kinder sehen die Welt aber mit anderen Augen: Sie sind deutlich skeptischer und oftmals auch negativ voreingenommen - schließlich kommt da ein fremder Mensch, der die Rolle von Papa oder Mama einnehmen soll! Deshalb ist es umso wichtiger, dass du deine Kinder auf die neue Situation richtig vorbereitest und Probleme schon im Anfangsstadium der Beziehung aus dem Weg räumst.

Wünsche und Ängste der Kinder

Getrennt lebende Eltern müssen sich immer bewußt machen, das ihr gemeinsames Kind nur einen Wunsch kennt: das die Eltern wieder in Frieden zusammenkommen und Harmonie herrscht. Dabei ist es egal, was alles vorgefallen ist, Kinder verdrängen die Probleme natürlich und idealisieren das Familienbild in ihrem Kopf und auch im Herzen. Es dauert meist einige Jahre(!), bis Kinder eine Trennung von einem Elternteil akzeptieren können. Fördernd für die Verarbeitung der Trennung sind ein normaler Umgang der Eltern miteinander, verlässliche Absprachen untereinander und der Respekt aller Beteiligten.

Das getrennte Paare nur sehr selten wieder zusammenkommen und die Beziehung dann besser funktioniert, soll kein Grund sein, den Wunsch deines Kindes zu ignorieren oder gar das Wünschen zu verbieten. Auch dein neuer Partner muss verstehen, das durch den Platz den er einnimmt, der Traum des Kindes zum Platzen gebracht wird - es soll nun einen neuen Papa oder Mama haben. Daher ist es ganz wichtig, gemeinsam mit deinem Kind über dieses Thema zu sprechen. Denn auch sein zweiter großer Wunsch, den Papa oder die Mama wenigstens für sich alleine zu haben, wird ebenfalls vom neuen Partner in unerreichbare Ferne gerückt.

Eine andere Angst ist auch die Furcht vor dem neuen Partner - ein Kind fragt sich "was ist das für ein Mensch, der jetzt die Macht über mich hat?". Wo sind seine Grenzen, wie behandelt er mich, wie redet er über meinen abwesenden Papa / Mama. Hier kann eine Kennenlernphase helfen, Ängste und Sorgen zu überwinden. Kurze Ausflüge an Wochenenden oder ein kurzer gemeinsamer Urlaub sind eine gute Wahl, damit dein Partner und der Nachwuchs sich ein wenig beschnuppern können.

Tatsachen schaffen?

Ein großer Fehler wäre es, die Kinder vor vollendete Tatsachen zu stellen - egal ob es um einen Umzug oder eine andere gravierende Änderung geht. Die Gefahr, das Kinder dann auf stur stellen und sich immer weiter verweigern und einigeln, ist hier sehr groß!

Natürlich spielt auch das Alter der Kinder eine wichtige Rolle. Manche Kinder sind noch zu jung (oder schon zu alt) um mit ihnen vernünftig reden zu können. Babies und Kleinkindern ist es genug, wenn sie erst einmal bei ihrer Bezugsperson in einem vertrauten Umfeld bleiben können.

Bis zum Alter von zwei Jahren fassen die Kinder auch schneller Vertrauen zum neuen Partner und finden sich allgemein besser mit der Trennung ab. Dagegen sind Kindergarten-Kinder bis zum Alter von sechs Jahren viel kritischer und man muss sich ihre Zuneigung auf ehrliche Art und Weise verdienen.

Besonders in der Anfangszeit können noch viele Dinge korrigiert werden. Wartet man zu lange (Motto "Das wird sich schon einspielen"), sind negative Verhaltenseinflüsse schon so sehr verankert, dass man sie nur noch schwer ablegen kann. Mache deinem Kind auch unbedingt klar, das es keine "Schuld" daran hat, das du einen neuen Partner hast und es Änderungen der Lebensumstände gibt. Gerade kleine Kinder ab drei Jahre beziehen sehr viel auf sich selbst und suchen oft erstmal bei sich die Schuld wenn sie unglücklich sind.

Das Wichtigste, wenn eine Patchwork-Familie entsteht, ist Geduld und Zeit für alle Beteiligte, insbesondere für Kinder. Erwartet von den Kinder nichts, die brauchen am meisten Zeit um sich umzugewöhnen und sind mit der Verarbeitung meist sehr intensiv beschäftigt.

Der neue Partner

In der Patchwork-Familie nimmt der neue Partner ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Besonders wichtig ist, daß er sich das Vertrauen der Kinder erarbeitet. Dies gelingt jedoch nicht auf Anhieb und manchmal sogar nie. Wenn dein neuer Partner zu forsch auftritt und beispielsweise gleich Befehle und Kommandos erteilt, wird das keine guten Erfolge haben. Gerade bei Erziehungsfragen ist Zurückhaltung von Seiten des Partners angebracht, besser man nähert sich dem Ziel sehr behutsam. Im Gegenzug musst du Zurückhaltung zeigen, wenn es um die Kinder deines Partners geht – die befinden sich in genau derselben Situation wie deine Kinder!

Besser ist, man überlässt so wenig wie möglich dem Zufall. Die Erwachsenen sollten sich absprechen und dann auf eine gemeinsame Linie abstimmen. Aber nur guter Wille oder gar das Prinzip Hoffnung helfen nicht weiter.

Dein Partner sollte sich bei Beleidigungen, Streits und Konflikten allgemein eines vor Augen halten: Der Unmut des Kindes richtet sich nicht persönlich gegen ihn, die Wut richtet sich gegen seine Rolle als neues Familienmitglied. Für das Kind liegt die Pflicht darin, seinen abwesenden Vater oder seine Mutter zu lieben - den neuen Partner zu mögen, bedeutet für das Kind somit einen Verrat an einem Elternteil.

Bei aller verständlichen Wut eines Kindes gibt es doch weiterhin Regeln, die das Kind beachten muss: Gewalt gegen Personen oder Gegenstände ist tabu und der neue Partner muss wie jeder andere Mensch mit Respekt behandelt werden.

Der Ex-Partner

Sofern möglich, sollte der Ex-Partner mit in die Erziehung des Kindes einbezogen werden. Je respektvoller alle miteinander umgehen, desto stabiler und gefestigter wird sich auch das Kind fühlen! Aber auch wenn ein Miteinander nicht möglich ist, sollte insbesondere dein neuer Partner immer nur respektvoll vom Ex-Partner reden. Tabuisierung oder abfällige Bemerkungen (auch wenn es eine Wahrheit sein sollte) wird das Kind als Demütigung empfinden und entsprechend reagieren.

Wenn der Ex-Partner verbittert oder wütend wegen der Vergangenheit ist, so sollte er das Kind von seinem Zorn verschonen. Kein Kind sieht ein Elternteil gerne leiden und jedes Wort gegen einen neuen Partner fällt bei ihnen auf fruchtbaren Boden - mit schlimmen Folgen! Daher gilt auch für den Ex-Partner: kein schlechtes Wort über den neuen Partner verlieren und ihn nicht schlecht machen - das ist übrigens ein sehr billiger Sieg auf Kosten des Glücks deines Kindes.

Psychische Verhaltensauffälligkeiten

Manche Kinder kommen mit der neuen Lebenssituation überhaupt nicht klar und reagieren mit sogenannten Verhaltensauffälligkeiten - sprich, sie legen ein sehr verändertes Verhalten an den Tag. Beispiele dafür sind erneutes Bettnässen, auffällige Aggressivität, übertriebene Folgsamkeit und ähnliches. Das Kind sagt damit ganz laut: Ich komme mit der Situation nicht klar, ich weiß nicht wie ich damit umgehen und wie ich mich verhalten soll. Ich habe Angst, (auch) die Liebe von Mama oder Papa zu verlieren und dann ganz alleine auf der Welt zu sein. Jetzt ist Liebe und Geduld deinerseits ganz wichtig: intensive Kuschelstunden, viel Zeit füreinander und ganz viel Einfühlungsvermögen sollten die Ängste des Kindes langsam abbauen. Gemeinsamkeit mit deinem Partner muss in dieser Zeit vielleicht etwas kürzer kommen, aber dein Kind macht keine Show - es braucht dich jetzt ganz besonders!

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