Hausgeburt: Die spannendsten Mythen und Wahrheiten im Überblick

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Alle werdenden Mütter wünschen sich eine unkomplizierte und möglichst angenehme Geburt.

Hausgeburt: Die spannendsten Mythen und Wahrheiten im Überblick

Es gibt Themen, bei den stoßen Meinungen kompromisslos aufeinander. Das Thema “Hausgeburt” ist eines davon. Die einen halten diese Entbindungsmöglichkeit für verantwortungslos und gefährlich, die anderen für den einzig natürlichen Weg. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.

Hausgeburt: Die Definition

Bei der Hausgeburt handelt es sich um eine Form der außerklinischen Geburt. Sie wird weder im Kranken- noch im Geburtshaus durchgeführt. Stattdessen entbindet die Mutter ihr Kind in den eigenen vier Wänden. Man unterscheidet dabei zwischen freiwilligen Hausgeburten, bei denen das Szenario vorab geplant ist, und unfreiwilligen Hausgeburten, bei denen das Baby so schnell kommt, dass eine Fahrt in die Klinik nicht mehr möglich ist. Zudem gibt es noch die Differenzierung Alleingeburt zu Hause oder betreute Hausgeburt. Bei der ersten Variante steht, im Gegensatz zum zweiten Modell, keine professionelle Hilfe zur Seite.

Zwischen den Jahren 1999 und 2017 gab es jährlich durchschnittlich rund 8.784 außerklinische Geburten in Deutschland. Diese Zahl beinhaltet allerdings nicht nur Hausgeburten, sondern alle Entbindungen, die nicht in der Klinik oder dem Geburtshaus stattfinden. Dazu gehören beispielsweise auch Entbindungen in der Natur oder im Auto. Derzeit beträgt der Anteil der Hausgeburten an allen Entbindungen innerhalb der Bundesrepublik circa 0,6 Prozent.

Welche Gründe gibt es für Hausgeburten?

Frauen entscheiden sich aus verschiedensten Motiven dafür, im heimischen Umfeld zu entbinden. Häufig sind es eher die folgenden Faktoren:

  • Angst vor Krankenhäusern und Ärzten
  • Wunsch nach Schutz in den eigenen vier Wänden
  • Exklusivrecht auf die Hebamme
  • Alleiniges Auswahlrecht bezüglich der Anwesenden
  • Berücksichtigung der eigenen Wünsche und auch der Wünsche des werdenden Vaters
  • Intimere Atmosphäre
  • Natürliche Geburt
  • Kein automatisches CTG zum Abhören von Herztönen während und vor der Geburt
  • Keine routinemäßige, medizinischen Eingriffe
  • Ganzheitliche Betreuung durch Hebamme
  • Kein Ortswechsel während des Geburtsvorgangs
  • Entbindung ohne Zeitdruck

Die allerersten Bilder des Babys entstehen zu Hause und nicht in den sterilen Räumlichkeiten eines Krankenhauses. Mit solch hübschen Fotos des Säuglings sehen die zauberhaften Geburtskarten, die man beispielsweise auf meine-kartenmanufaktur.de gestalten kann, noch hinreißender aus. Wer die Entbindung schriftlich oder mündlich bekannt gibt, der darf direkt mit Besuchern rechnen. Familie und Freunde trudeln nach Hausgeburten in den eigenen vier Wänden ein. Dort machen sie es sich, zusammen mit Mama, Papa und Nachwuchs, ganz ungezwungen gemütlich. Nach der Entbindung schätzen viele Frauen den Schutz und Komfort der gewohnten Umgebung besonders.

Wer betreut Hausgebärende?

Bei der Hausgeburt wird meistens bewusst auf medizinische Hilfe in Form von Ärzten und Krankenschwestern verzichtet. Dennoch wünschen sich viele Schwangere, die planen ihr Baby in den eigenen vier Wänden zu bekommen, eine Hebamme an ihrer Seite. Dieser Wunsch der werdenden Mütter stimmt auch mit den Empfehlungen der WHO zur Geburt von 1985 überein. Dort wird unter anderem beschrieben, dass eine Schwangere nicht krank ist und demzufolge nicht zwangsläufig in medizinische Betreuung muss. Eine Geburtshelferin ist allerdings eine gute Unterstützung.

Die Suche nach einer kompetenten Hebamme kann entweder über den behandelnden Frauenarzt erfolgen – meistens besitzt dieser Adressen von Geburtshelferinnen – oder über den Deutschen Dachverband für Hausgeburtshilfe e. V. Besonders praktisch ist die Hebammensuche mithilfe von familienbande24.de, weil dort neben der Postleitzahl auch die gewünschte Leistung sowie Fremdsprachenkenntnisse gefiltert werden können. Häufig ist es allerdings nicht einfach eine Hausgeburtshelferin in der Umgebung zu beauftragen. Das liegt vor allem am generellen Hebammen-Mangel.

Meist arbeiten die Geburtshelferinnen als sogenannte Beleghebammen. Das bedeutet, dass sie von den Krankenhäusern nicht angestellt sind, sondern freiberuflich Babys zur Welt bringen. In der Bundesrepublik gibt es rund 16.000 freiberufliche Hebammen. Diese Situation hat den Vorteil, dass die Hebammen nicht an eine Klinik gebunden sind, sondern grundsätzlich auch Gebärende zu Hause unterstützen dürfen. Freiberufler müssen sich allerdings selbst versichern. Was Hebammen das Leben schwer macht, ist die Höhe der Haftpflichtversicherung. Während die Kosten der Versicherung im Jahr 2003 noch bei lediglich 1.352 Euro im Jahr lagen, beträgt die Prämie seit Juli 2019 schon 8.664 Euro per annum. Viele Geburtshelferinnen können oder wollen sich, trotz Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen, diese horrenden Kosten nicht leisten. Die Bundesregierung überlegt nun, den Ausbildungsberuf Geburtshelferin zu akademisieren und dadurch reizvoller und lukrativer zu machen. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Insbesondere für Frauen, die sich eine natürliche und keine medizinische Begleitung wünschen, würde dann die Hebamme als Hausgeburtshelferin vermutlich wegfallen.

Trotz des Dilemmas gibt es aber immer noch Hebammen, die sich – selbst im ländlichen Raum – über die Anfrage nach Hausgeburtsunterstützung freuen. Auch der Gesetzgeber hat bisher nichts gegen Hausgeburten. Dies sieht in anderen Ländern wie Tschechien, Litauen, Australien und Teilen der USA anders aus. Dort überlegen die jeweiligen Regierungen Hausgeburten zu verbieten oder die Bedingungen dafür massiv zu erschweren.

Wie bereitet man sich auf eine Hausgeburt vor?

Nachdem die passende Hebamme gefunden ist, geht es an die weitere Vorbereitung. Schwangere, die zu Hause entbinden wollen, können sich eine gewisse Grundausstattung anschaffen. Dadurch wird Hygiene und Sauberkeit garantiert. Wichtig ist, dass zunächst ein Geburtszimmer ausgesucht wird. Die Mindestanforderung an den Raum ist, dass er ruhig sowie rund um die Uhr beheizbar ist. Ideal ist eine Temperatur von rund 24 Grad Celsius. Das Bett steht optimalerweise so, dass die Hebamme von drei Seiten Zugang hat.

Im Geburtszimmer sollten folgende Utensilien bereitliegen:

  • Kleines Tischchen für die Hebamme, auf dem sie ihre Ausrüstung ablegen kann
  • Gutes Licht, inklusive einer hellen Stehlampe, sowie einer Taschenlampe inklusive Ersatzbatterien im Falle eines Stromausfalls
  • Wickelplatz mit Wärmelampe für das Baby
  • Handtücher, Waschlappen, großes Badetuch für das Baby
  • Schüssel für Waschwasser
  • Getränke und Lebensmittel auch für Hebamme, Vater und andere Anwesende
  • Traubenzucker
  • Papiertücher, Feuchttücher
  • Massageöl
  • Lippenpflegestift
  • Haargummi
  • Wärmflasche, warme Socken

Zudem wird die Matratze am besten mit einer Plastikfolie abgedeckt. Auch der Rand um das Bett kann mit Folie ausgelegt werden. Allerdings ist dabei auf Rutschgefahr zu achten. Über die Folie auf der Matratze wird das Laken gespannt, damit die Gebärende angenehm liegt. Das Laken sollte waschbar oder älteren Semesters sein, sodass ein anschließendes Entsorgen notfalls auch kein Problem darstellt.

Schön ist, wenn eine Badewanne, Duschkabine oder große Plastikwanne für ein Sitzbad bereitsteht. Die Hebamme kann Kräuter empfehlen, die speziell für den Anlass hilfreich sind.

Auch wenn geplant ist, dass die ganze Familie während der Geburt vor Ort ist, sollte eine Betreuung für die Geschwisterkinder organisiert werden. Es ist wichtig, dass Lebensmittel für alle anwesenden Personen für mehrere Tage vorhanden sind. Werdende Eltern können vorab Wochenbettrezepte kochen und die Gerichte einfrieren. So sind nach der Entbindung ausreichend Ruhe und gleichzeitig eine gute und vollwertige Versorgung gewährleistet.

Genauso wie bei einer Geburt im Krankenhaus werden bei der Hausgeburt auch weite T-Shirts, Nachthemden, große Unterhosen, spezielle Binden, Still-BHs, Quarkwickel, kleine Windeln und Babykleidung benötigt. Insbesondere die Bodys, Söckchen und Mützchen der Neugeborenen sollten vor dem Anziehen beispielsweise auf dem Heizkörper vorgewärmt werden.

Damit die allerersten Minuten und Stunden des neuen Erdenbürgers für die Nachwelt dokumentiert werden, ist eine Kamera notwendig. Diese sollte möglichst auch ohne Blitz bei gedimmtem Licht gute Bilder machen. Ansonsten könnte sich der Säugling erschrecken. Für wackelfreie Bilder und Videos positioniert man die Kamera am Besten auf einem Stativ an einer Stelle im Raum von der aus man einen guten Blick auf das Geschehen hat. Man sollte nur darauf achten, dass das Stativ nicht im Weg steht.

Welche Risiken bestehen bei einer Hausgeburt?

Die Frage, ob eine Hausgeburt ein höheres Risiko für Mutter und Kind birgt als eine Klinikgeburt ist umstritten. Eine groß angelegte Studie aus Großbritannien veranschaulichte, dass Komplikationen wie Hirnschäden, Knochenbrüche und Tod während der Geburt gleich häufig bei inner- und außerklinischen Entbindungen vorkommen.

Allerdings mussten im Rahmen der Forschungsarbeit 45 % der Erstgebärenden, die eine Hausgeburt bevorzugten, notfallmäßig ins Krankenhaus. Gerade hierbei gibt es einen klaren Nachteil zu Hausgeburten. Während in der Klinik maximal 20 Minuten zwischen der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt und der Operation vergehen, dauert bei Hausgeburten die Fahrt zum Krankenhaus oft schon länger. Andererseits ist es in Ländern wie Portugal, wo es kaum mehr Hausgeburten gibt so, dass die Kaiserschnittrate mit 33 Prozent und die Zangen- sowie Saugglockengeburt mit 12 Prozent weit über EU-Schnitt liegen. Die Schmerzmittelgabe bei Hausgeburten ist dagegen wesentlich seltener als bei Entbindungen in der Klinik. Auch Riss- und Schnittverletzungen am Damm kommen in den eigenen vier Wänden bedeutend weniger vor.

Bei Mehrgebärenden mit Hausgeburtswunsch waren es im Schnitt übrigens nur etwa 9 bis 13 Prozent der Fälle, in denen es zu Komplikationen mit anschließender Fahrt ins Krankenhaus kam. Insgesamt sei es nur in 0,2 bis 0,4 Prozent der Fälle bei einer problemlosen Schwangerschaft zu starken Komplikationen bei der Entbindung gekommen. Insbesondere bei Frauen, die bereits im Vorfeld Kinder ohne Herausforderungen entbunden hatten, ist das Risiko gering.

Wann ist eine Hausgeburt die richtige Wahl?


Jede Frau, die den Wunsch nach einer Hausgeburt hat, sollte diese Entscheidung für sich treffen dürfen. Es ist wichtig, dass objektives Informationsmaterial zur Verfügung steht. Die werdenden Eltern sollten eine erfahrene Hebamme zur Beratung und Betreuung mit ins Boot holen. Unablässig für eine problemlose Hausgeburt ist, dass es sich um keine Risikoschwangerschaft handelt. Liegt das Baby beispielsweise mit dem Kopf nach oben, dann wird kaum eine Geburtshelferin die Entbindung außerklinisch durchführen - eine außerklinische Geburt ist nur möglich, wenn das Kind mit dem Kopf nach unten liegt. Jede Schwangere muss das Für und Wider für sich selbst abwägen und dann entscheiden. Viele hilfreiche Infos wie Statistiken, Publikationen und mehr findest du bei QUAG, der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.v.. Ein Blick lohnt sich!

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