24-Stunden-Pflege eines Familienmitglieds

Foto:  24-Stunden-Pflege eines Familienmitglieds
Vielleicht kennst auch Du das Gefühl, wenn man feststellt, dass ein Familienmitglied allein Zuhause nicht mehr gut zurechtkommt und langfristig Unterstützung braucht.

Wie genau funktioniert das Konzept 24-Stunden-Pflege?

Bei einer sogenannten 24-Stunden-Pflege handelt es sich um ein Betreuungskonzept für pflegebedürftige Senioren, mit dem ermöglicht werden soll, möglichst lange Zuhause wohnen zu können. Du als Angehörige/r wirst entlastet und kannst damit wieder mehr Zeit Deinem Beruf oder eigenen Familienleben widmen.

Um das zu ermöglichen, lebt eine Betreuungskraft aus Osteuropa vorübergehend bei dem pflegebedürftigen Angehörigen und unterstützt diesen als Alltagshilfe in verschiedenen Bereichen.

Die größten Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern und Modellen bei der 24-Stunden-Pflege liegen in erster Linie im Anstellungsverhältnis der Betreuungskraft. Verbreitet sind vor allem die drei Varianten Selbstständige, Direktanstellung und der Weg über eine spezialisierte Agentur.

Besonders die Möglichkeit, eine selbstständige 24-Stunden-Pflegekraft zu engagieren, ist dabei nicht ohne Risiko, da die Gefahr von Scheinselbstständigkeit groß ist. Selbst eine Betreuungskraft anzustellen, ist meistens auch keine Option, es sei denn Du kennst dich gut mit den Pflichten eines Arbeitgebers aus und hast Kenntnisse in der Lohnbuchhaltung.

Am verbreitesten ist der Weg über eine spezielle Agentur für 24-Stunden-Pflege. Dabei vermittelt der Anbieter einen Betreuungsvertrag mit einem polnischen Dienstleister, bei dem die Pflegekraft angestellt ist. Vorteil bei dieser Variante ist vor allem der begleitende Service der Agentur. Um Personalwechsel oder andere Fragen musst Du dich dann nicht persönlich kümmern.

Welche Aufgaben übernimmt die 24-Stunden-Pflegekraft?

Um die Leistungen bei einer 24-Stunden-Pflege zu verstehen, muss man sich zunächst bewusst machen, dass es sich, entgegen des Begriffes, um keine ausgebildeten Pflegekräfte handelt. Medizinische Aufgaben sind damit tabu. Außerdem sollte jedem klar sein, dass kein Mensch 24 Stunden am Tag arbeiten kann oder sollte.

Die Betreuungskraft, meist aus Polen, hat auch bei der Pflege Deines Angehörigen die üblichen Rechte eines Arbeitnehmers in Deutschland. Das bedeutet vor allem im Hinblick auf die Arbeitszeiten, dass eine Freizeitregelung gefunden werden muss. Besonders schwierig gestaltet sich das, wenn regelmäßig auch nachts Unterstützung gebraucht wird. Deshalb solltest Du diese Information direkt zu Beginn kommunizieren.

Im Alltag sind die Aufgaben bei einer 24-Stunden-Pflege dann sehr unterschiedlich. Einen großen Teil der Aufgaben macht meistens die Hausarbeit aus. Je nachdem wie Dein Familienmitglied es wünscht, wird bei allem unterstützt, was zur Haushaltsführung gehört. Allerdings schließen die meisten Anbieter aus Versicherungsgründen das Fensterputzen und Gartenarbeiten aus.

Daneben ist die sogenannte Grundpflege eine der wichtigsten Aufgaben. Damit ist alles an Pflegetätigkeit umfasst, was Du auch als Angehöriger übernehmen würdest. Die Hilfe bei der Körperpflege, Begleitung bei Toilettengängen oder auch das Heben in oder aus dem Rollstuhl sind klassische Tätigkeiten im Betreuungsalltag.

Je nach Sympathie und Interessen ist dann auch die Freizeitgestaltung ein wichtiger Punkt. Das bedeutet beispielsweise, dass die polnische Betreuungskraft Gesellschaftsspiele mit Deinem Angehörigen spielt oder sie bei einem Spaziergang begleitet.

Worauf muss ich bei der Organisation einer 24-Stunden-Pflege achten?

Um eine 24-Stunden-Pflege nutzen zu können, muss die Wohnung Deines Angehörigen ein paar Voraussetzungen erfüllen. Besonders wichtig ist, dass ein Zimmer frei ist. Dort lebt die Betreuungskraft und kann sich außerhalb der Arbeitszeiten erholen.

Außerdem solltest Du eine Betreuung für mindestens 1 bis 2 Monate suchen, da das Personal meist eine weite Anreise hat. Durch die große Distanz zur eigenen Familie freuen sich viele 24-Stunden-Pflegekräfte deshalb auch sehr, wenn ein Internetanschluss im Haushalt Deines Angehörigen vorhanden ist.

Desweiteren solltest Du die Situation auch ausführlich mit dem betroffenen Familienmitglied besprechen. Oft ist es so, dass Senioren der Unterstützungsbedarf unangenehm ist und eine fremde Person im Haushalt nicht akzeptiert wird. Das solltest Du berücksichtigen und den Wunsch des Familienmitglieds ernst nehmen, auch wenn ihr in diesem Punkt vielleicht nicht einer Meinung seid.

Was kostet mich eine 24-Stunden-Pflege Zuhause?

Unterstützung bei der Pflege kostet in der Regel Geld. Das ist auch bei der 24-Stunden-Pflege nicht anders, schließlich steht die Betreuungskraft ausschließlich für Dein Familienmitglied zur Verfügung.

Im Schnitt kostet dich die 24-Stunden-Pflege monatlich zwischen 1.800 und 2.600 Euro. Der größte Kostenfaktor sind dabei die Sprachfertigkeiten der Betreuungskraft. Hier musst Du genau abwägen, was an Deutschkenntnissen erforderlich ist und welches Budget zur Verfügung steht.

Außerdem spielt der Pflegeaufwand eine Rolle bei der Preisgestaltung der meisten Anbieter. Es ist deshalb sinnvoll mehrere Angebote einzuholen und zu vergleichen.

Übernimmt die Pflegekasse die Kosten?

Die Pflegekasse trägt die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege nicht direkt. Du musst zunächst in Vorleistung gehen, kannst dann aber verschiedene Leistungen erhalten. Besonders wichtig sind das Pflegegeld und die Verhinderungspflege. Im Durchschnitt ist damit die Hälfte der anfallenden Kosten gedeckt.

Welche Alternativen zur 24-Stunden-Pflege gibt es?

Nicht in allen Fällen ist eine 24-Stunden-Pflege die richtige Lösung. Ist der Betreuungsumfang beispielweise gering und andere Angehörige leben in der Nähe, können auch andere Möglichkeiten in Betracht kommen.

Besonders in städtischen Regionen gibt es Anbieter für stundenweise Betreuung. Dabei vereinbarst Du feste Termine mit einem Betreuer bzw. einer Betreuerin, bei denen sich um Dein Familienmitglied gekümmert wird.

Wenn eine stundenweise Betreuung nicht ausreicht, kann auch eine Tagespflege in Frage kommen. Dabei handelt es sich um eine Pflegeeinrichtung, die vom Konzept einer Kindertagesstätte ähnelt. Du bringst Deinen Angehörigen morgens zur Tagespflegeeinrichtung und holst ihn am Nachmittag wieder ab. Ähnliche Angebote gibt es auch für die Nacht.

Egal für welchen Weg Du dich entscheidest, triff die Entscheidung in jedem Fall gemeinsam mit Deinem pflegebedürftigen Angehörigen und den anderen Familienmitgliedern. Achte außerdem bei allen Möglichkeiten darauf, dass Du nicht zu lange an einen Anbieter gebunden bist und damit auch jederzeit auf Veränderungen der Situation reagieren kannst.

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