Weihnachtsgedichte
Am heiligen Abend
O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
aufschau ich zum Himmel
in leisem Gebet.
Da funkelt von Sternen
ein himmlischer Baum,
da jauchzt es im fernen,
ätherischen Raum;
da lassen die Sphären
in seligen Chören
glückwünschend sich hören;
mir klingt's wie im Traum.
Es führet mit Feuer
Orion den Chor,
die himmlische Leier
töt golden hervor;
dann folgen mit Schalle
die Sternelein alle;
dem lieblichsten Halle
lauscht selig mein Ohr:
"O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
doch gleichet dir keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!"
"Wir wandeln da oben
im ewigen Licht,
den Schöpfer zu loben
ist selige Pflicht;
wir wallen und wohnen
seit vielen Äonen
und himmlischen Thronen
und sündigen nicht."
"Wir funkeln im alten
urewigen Glanz,
du hast nicht behalten
den himmlischen Kranz;
doch neu dich zu heben
vom Tode zu Leben,
hat dir sich ergeben
der Ewige ganz!"
"Wir kennen nicht Tränen,
nicht Tod und nicht Grab,
doch ziehet ein Sehnen
zu dir uns hinab,
wo liebend gelitten,
wo segnend geschritten
durch niedrige Hütten
dein göttlicher Knab'."
"Du unter den Welten
wie Bethlehem klein,
in himmlischen Zelten
gedenket man dein."
So klangen die Lieder
der Sterne hernieder,
da freut ich mich wieder,
von Erde zu sein.
O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
aufschau ich zum Himmel
in leisem Gebet.
Da funkelt von Sternen
ein himmlischer Baum,
da jauchzt es im fernen,
ätherischen Raum;
da lassen die Sphären
in seligen Chören
glückwünschend sich hören;
mir klingt's wie im Traum.
Es führet mit Feuer
Orion den Chor,
die himmlische Leier
töt golden hervor;
dann folgen mit Schalle
die Sternelein alle;
dem lieblichsten Halle
lauscht selig mein Ohr:
"O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
doch gleichet dir keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!"
"Wir wandeln da oben
im ewigen Licht,
den Schöpfer zu loben
ist selige Pflicht;
wir wallen und wohnen
seit vielen Äonen
und himmlischen Thronen
und sündigen nicht."
"Wir funkeln im alten
urewigen Glanz,
du hast nicht behalten
den himmlischen Kranz;
doch neu dich zu heben
vom Tode zu Leben,
hat dir sich ergeben
der Ewige ganz!"
"Wir kennen nicht Tränen,
nicht Tod und nicht Grab,
doch ziehet ein Sehnen
zu dir uns hinab,
wo liebend gelitten,
wo segnend geschritten
durch niedrige Hütten
dein göttlicher Knab'."
"Du unter den Welten
wie Bethlehem klein,
in himmlischen Zelten
gedenket man dein."
So klangen die Lieder
der Sterne hernieder,
da freut ich mich wieder,
von Erde zu sein.
— Karl Gerok
Schlafendes Jesuskind
Sohn der Jungfrau, Himmelskind! Am Boden
auf dem Holz der Schmerzen eingeschlafen,
das der fromme Meister, sinnvoll spielend,
deinen leichten Träumen unterlegte;
Blume du, noch in der Knospe dämmernd
eingehüllt die Herrlichkeit des Vaters!
O wer sehen konnte, welche Bilder
hinter dieser Stirne, diesen schwarzen
Wimpern sich in sanftem Wechsel malen!
Sohn der Jungfrau, Himmelskind! Am Boden
auf dem Holz der Schmerzen eingeschlafen,
das der fromme Meister, sinnvoll spielend,
deinen leichten Träumen unterlegte;
Blume du, noch in der Knospe dämmernd
eingehüllt die Herrlichkeit des Vaters!
O wer sehen konnte, welche Bilder
hinter dieser Stirne, diesen schwarzen
Wimpern sich in sanftem Wechsel malen!
— Eduard Mörike
Groß-Stadt-Weihnachten
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.
Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"
Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.
So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.
Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"
Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.
So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
— Kurt Tucholsky
In der Krippe
Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!
Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.
Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.
Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!
Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.
Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.
— Angelus Silesius
Weihnachtslied
In Todesschatten wallte
Die Welt so unruhbang;
Kein Liebeswort erschallte,
Kein Lebenswort erklang.
Sie gingen im Gewirre
Unfriedlich, kalt und tot,
Und in die dunkle Irre
Schien, ach! Kein Morgenrot.
O Herz, du musst verzagen,
Das einsam harrt und bangt,
Es will das Licht nicht tragen,
Nach dem dich so verlangt!
O Herz du musst verzagen,
In Sehnsucht untergehn,
Es will der Stern nicht schimmern
Herab von Himmelshöhn!
So klang es in der Stille,
So lebt es in der Brust,
Da brach durch blaue Hülle
Hervor die Himmelslust.
Da flammt er ob den Tristen,
Des Heilands Morgenstern,
Da zeugen's alle Schriften.
Es ist der Glanz des Herrn!
Und zu den Himmeln sehen
Sie alle froh empor!
Und: Ehre in den Höhen!
So schallt's im Engelchor.
Der Friede, der verloren,
Er wird euch heut zuteil:
Der Heiland der Erkoren,
Kommt euch zu eurem Heil!
In Todesschatten wallte
Die Welt so unruhbang;
Kein Liebeswort erschallte,
Kein Lebenswort erklang.
Sie gingen im Gewirre
Unfriedlich, kalt und tot,
Und in die dunkle Irre
Schien, ach! Kein Morgenrot.
O Herz, du musst verzagen,
Das einsam harrt und bangt,
Es will das Licht nicht tragen,
Nach dem dich so verlangt!
O Herz du musst verzagen,
In Sehnsucht untergehn,
Es will der Stern nicht schimmern
Herab von Himmelshöhn!
So klang es in der Stille,
So lebt es in der Brust,
Da brach durch blaue Hülle
Hervor die Himmelslust.
Da flammt er ob den Tristen,
Des Heilands Morgenstern,
Da zeugen's alle Schriften.
Es ist der Glanz des Herrn!
Und zu den Himmeln sehen
Sie alle froh empor!
Und: Ehre in den Höhen!
So schallt's im Engelchor.
Der Friede, der verloren,
Er wird euch heut zuteil:
Der Heiland der Erkoren,
Kommt euch zu eurem Heil!
— August Stöber
Heilige Nacht
Heil'ge Nacht, in der lobsingend
Engel ziehn mit lichten Kerzen,
Neig', o neige friedebringend
Nieder dich in unsre Herzen;
Neige dich zu allen Seelen,
die des Schmerzes Zähren streuen,
Die gebeugt von Schuld und Fehlen
Sich auf den Erlöser freuen;
Komm dem Frommen, menschlich Reinen
Die in Liebe hoffen, glauben;
Komm den Kindlein, lass die Kleinen
Schaun die lichtbegrenzten Lauben.
Nacht der Nächte, sei mit Gnaden
Bei den Reichen, bei den Armen;
Die Erkornen, die Verlornen,
Die noch irren und nicht finden
Führe zu dem Eingebornen,
Der ein Heiland ihren Sünden! -
Heil'ger Abend, werde Morgen,
Nun der Tag und geht zur Neige,
Dass der Stern, in dir verborgen,
Über unsrer Nacht entsteige:
Gläubig dann zu seinem Lichte -
Unter der Posaunen Dröhnen -
Flehn wir: Herr, nicht zum Gerichte, -
Komm in Gnade zum Versöhnen! -
Heil'ge Nacht, in der lobsingend
Engel ziehn mit lichten Kerzen,
Neig', o neige friedebringend
Nieder dich in unsre Herzen;
Neige dich zu allen Seelen,
die des Schmerzes Zähren streuen,
Die gebeugt von Schuld und Fehlen
Sich auf den Erlöser freuen;
Komm dem Frommen, menschlich Reinen
Die in Liebe hoffen, glauben;
Komm den Kindlein, lass die Kleinen
Schaun die lichtbegrenzten Lauben.
Nacht der Nächte, sei mit Gnaden
Bei den Reichen, bei den Armen;
Die Erkornen, die Verlornen,
Die noch irren und nicht finden
Führe zu dem Eingebornen,
Der ein Heiland ihren Sünden! -
Heil'ger Abend, werde Morgen,
Nun der Tag und geht zur Neige,
Dass der Stern, in dir verborgen,
Über unsrer Nacht entsteige:
Gläubig dann zu seinem Lichte -
Unter der Posaunen Dröhnen -
Flehn wir: Herr, nicht zum Gerichte, -
Komm in Gnade zum Versöhnen! -
— Georg Scheuerlin
