Weihnachtsgedichte
Groß-Stadt-Weihnachten
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.
Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"
Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.
So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.
Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.
Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"
Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.
So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
— Kurt Tucholsky
In der Krippe
Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!
Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.
Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.
Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!
Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.
Dir soll meine Seel' allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib' ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.
— Angelus Silesius
Weihnachtslied
In Todesschatten wallte
Die Welt so unruhbang;
Kein Liebeswort erschallte,
Kein Lebenswort erklang.
Sie gingen im Gewirre
Unfriedlich, kalt und tot,
Und in die dunkle Irre
Schien, ach! Kein Morgenrot.
O Herz, du musst verzagen,
Das einsam harrt und bangt,
Es will das Licht nicht tragen,
Nach dem dich so verlangt!
O Herz du musst verzagen,
In Sehnsucht untergehn,
Es will der Stern nicht schimmern
Herab von Himmelshöhn!
So klang es in der Stille,
So lebt es in der Brust,
Da brach durch blaue Hülle
Hervor die Himmelslust.
Da flammt er ob den Tristen,
Des Heilands Morgenstern,
Da zeugen's alle Schriften.
Es ist der Glanz des Herrn!
Und zu den Himmeln sehen
Sie alle froh empor!
Und: Ehre in den Höhen!
So schallt's im Engelchor.
Der Friede, der verloren,
Er wird euch heut zuteil:
Der Heiland der Erkoren,
Kommt euch zu eurem Heil!
In Todesschatten wallte
Die Welt so unruhbang;
Kein Liebeswort erschallte,
Kein Lebenswort erklang.
Sie gingen im Gewirre
Unfriedlich, kalt und tot,
Und in die dunkle Irre
Schien, ach! Kein Morgenrot.
O Herz, du musst verzagen,
Das einsam harrt und bangt,
Es will das Licht nicht tragen,
Nach dem dich so verlangt!
O Herz du musst verzagen,
In Sehnsucht untergehn,
Es will der Stern nicht schimmern
Herab von Himmelshöhn!
So klang es in der Stille,
So lebt es in der Brust,
Da brach durch blaue Hülle
Hervor die Himmelslust.
Da flammt er ob den Tristen,
Des Heilands Morgenstern,
Da zeugen's alle Schriften.
Es ist der Glanz des Herrn!
Und zu den Himmeln sehen
Sie alle froh empor!
Und: Ehre in den Höhen!
So schallt's im Engelchor.
Der Friede, der verloren,
Er wird euch heut zuteil:
Der Heiland der Erkoren,
Kommt euch zu eurem Heil!
— August Stöber
Heilige Nacht
Heil'ge Nacht, in der lobsingend
Engel ziehn mit lichten Kerzen,
Neig', o neige friedebringend
Nieder dich in unsre Herzen;
Neige dich zu allen Seelen,
die des Schmerzes Zähren streuen,
Die gebeugt von Schuld und Fehlen
Sich auf den Erlöser freuen;
Komm dem Frommen, menschlich Reinen
Die in Liebe hoffen, glauben;
Komm den Kindlein, lass die Kleinen
Schaun die lichtbegrenzten Lauben.
Nacht der Nächte, sei mit Gnaden
Bei den Reichen, bei den Armen;
Die Erkornen, die Verlornen,
Die noch irren und nicht finden
Führe zu dem Eingebornen,
Der ein Heiland ihren Sünden! -
Heil'ger Abend, werde Morgen,
Nun der Tag und geht zur Neige,
Dass der Stern, in dir verborgen,
Über unsrer Nacht entsteige:
Gläubig dann zu seinem Lichte -
Unter der Posaunen Dröhnen -
Flehn wir: Herr, nicht zum Gerichte, -
Komm in Gnade zum Versöhnen! -
Heil'ge Nacht, in der lobsingend
Engel ziehn mit lichten Kerzen,
Neig', o neige friedebringend
Nieder dich in unsre Herzen;
Neige dich zu allen Seelen,
die des Schmerzes Zähren streuen,
Die gebeugt von Schuld und Fehlen
Sich auf den Erlöser freuen;
Komm dem Frommen, menschlich Reinen
Die in Liebe hoffen, glauben;
Komm den Kindlein, lass die Kleinen
Schaun die lichtbegrenzten Lauben.
Nacht der Nächte, sei mit Gnaden
Bei den Reichen, bei den Armen;
Die Erkornen, die Verlornen,
Die noch irren und nicht finden
Führe zu dem Eingebornen,
Der ein Heiland ihren Sünden! -
Heil'ger Abend, werde Morgen,
Nun der Tag und geht zur Neige,
Dass der Stern, in dir verborgen,
Über unsrer Nacht entsteige:
Gläubig dann zu seinem Lichte -
Unter der Posaunen Dröhnen -
Flehn wir: Herr, nicht zum Gerichte, -
Komm in Gnade zum Versöhnen! -
— Georg Scheuerlin
Christkind kommt
Ihr Wolken, hemmt den raschen Lauf,
Ihr Sterne, flimmert sacht!
Leis geht das Tor des Himmels auf
In dieser heil'gen Nacht.
O Meer, erbrause hoch und laut,
Ihr Berge, neigt das Haupt
Vor dem, nach dem ihr alle schaut,
An den ihr alle glaubt.
Des Waldes Wipfel, neiget euch!
Verstreuet rings den Ruf,
Ihr Lüfte, Felsen, beuget euch!
Es naht, der euch erschuf.
Nur eins, nur eins liegt starr und tot,
Verachtet, Herr, Dein Licht -
Das Menschenherz in seiner Not
Und Nacht erkennt Dich nicht!
Verlassen steht Dein Bethlehem,
Verwaist der Liebe Thron,
Es führt zu breit und zu bequem
Der Weg nach Babylon.
Hier lockt mit ihren Schätzen all
Frau Welt, so weich, so lind:
Wer denkt noch an den armen Stall,
Ans allerärmste Kind?
Den Engelsang, den überbraust
Der Wollust Symphonie:
Der Sänger Saiten schrill durchsaust
Des Goldklangs Melodie.
Die ehre feil, der Glaube feil
Um schnöden Judaslohn;
Die Welt, die sucht ein andres Heil
Als Dich, der Jungfrau Sohn!
Drum fliehst Du aus der Städte Schwall
Zur armen Hirtenschar,
Dort grüßt Dich noch ein leiser Schall
Vom Glück, das einstens war:
Vom Glück, das einstens schimmernd lag
Auf einer gläub'gen Welt,
Vom Glück, das finstre Mächte Schlag
Uns neidisch hat zerschellt.
Umsonst! - Die Welt, so klug und alt,
Stürmt fort im Luftgebraus,
Ihr Tannenbaum glänzt leer und kalt,
Dich, Christkind, trieb sie aus!
So komm, Du Kindlein wunderbar
Zu uns ins Hirtenzelt,
Ach - klein und arm ist unsre Schar -
Auch uns verstieß die Welt!
O komm vom hohen Himmel her
Zu uns in heil'ger Nacht;
Hellfunkelnd steht der Sterne Heer,
Lautlos der Berge Macht.
Des Meeres Orgel braust und klingt,
Stumm liegt die Erde da,
Doch eine Engelstimme singt
Ein helles Gloria!
Ihr Wolken, hemmt den raschen Lauf,
Ihr Sterne, flimmert sacht!
Leis geht das Tor des Himmels auf
In dieser heil'gen Nacht.
O Meer, erbrause hoch und laut,
Ihr Berge, neigt das Haupt
Vor dem, nach dem ihr alle schaut,
An den ihr alle glaubt.
Des Waldes Wipfel, neiget euch!
Verstreuet rings den Ruf,
Ihr Lüfte, Felsen, beuget euch!
Es naht, der euch erschuf.
Nur eins, nur eins liegt starr und tot,
Verachtet, Herr, Dein Licht -
Das Menschenherz in seiner Not
Und Nacht erkennt Dich nicht!
Verlassen steht Dein Bethlehem,
Verwaist der Liebe Thron,
Es führt zu breit und zu bequem
Der Weg nach Babylon.
Hier lockt mit ihren Schätzen all
Frau Welt, so weich, so lind:
Wer denkt noch an den armen Stall,
Ans allerärmste Kind?
Den Engelsang, den überbraust
Der Wollust Symphonie:
Der Sänger Saiten schrill durchsaust
Des Goldklangs Melodie.
Die ehre feil, der Glaube feil
Um schnöden Judaslohn;
Die Welt, die sucht ein andres Heil
Als Dich, der Jungfrau Sohn!
Drum fliehst Du aus der Städte Schwall
Zur armen Hirtenschar,
Dort grüßt Dich noch ein leiser Schall
Vom Glück, das einstens war:
Vom Glück, das einstens schimmernd lag
Auf einer gläub'gen Welt,
Vom Glück, das finstre Mächte Schlag
Uns neidisch hat zerschellt.
Umsonst! - Die Welt, so klug und alt,
Stürmt fort im Luftgebraus,
Ihr Tannenbaum glänzt leer und kalt,
Dich, Christkind, trieb sie aus!
So komm, Du Kindlein wunderbar
Zu uns ins Hirtenzelt,
Ach - klein und arm ist unsre Schar -
Auch uns verstieß die Welt!
O komm vom hohen Himmel her
Zu uns in heil'ger Nacht;
Hellfunkelnd steht der Sterne Heer,
Lautlos der Berge Macht.
Des Meeres Orgel braust und klingt,
Stumm liegt die Erde da,
Doch eine Engelstimme singt
Ein helles Gloria!
— Franz Eichert
Weihnachtslied
Als unser Herr zur Erde kam
Ins Tal der Not und Sünden,
Die Last der Menschheit auf sich nahm,
Sein göttlich Reich zu gründen!
Da pflanzt er Lieb' und Gottvertraun,
Wohltätig in die Tränenau'n
Des armen Menschenlebens.
Versöhnung bracht' er, Trost und Licht,
Sein tun war Heil und Segen,
Sein Wort gab Kraft und Zuversicht
Auf schweren Prüfungswegen;
Ein Heil, ein Glaub', ein Liebesbund
Sollt auf dem ganzen Erdengrund
Die Seinen treu verbinden!
Der Göttliche war Kinderfreund;
Der Unschuld frommes Lallen,
Ihr Blick, dem alles heiter scheint,
War ihm ein Wohlgefallen.
In Kinderherzen zart und weich,
Erblickt er seines Vaters Reich,
Und ließ sie zu sich kommen.
Er sprach: das heiligste Gebot
Ist das Gebot der Liebe!
Und starb den schweren Opfertod
Im Wohltun und in Liebe!
Wir sind die Seinen, unsre Bahn
Geht glaubensfroh zu ihm hinan,
Durch Wohltun und durch Liebe!
Drum hat sich Lieb' und Zärtlichkeit
Das Weihnachtsfest erkoren,
Und Freud' und Wohltun dem geweiht,
Der einst der Welt geboren.
Beglückt vereint sich Groß und Klein,
Um in der Liebe Sonnenschein
Sein heilig Fest zu feiern!
Einst tönte Cherubimgesang,
Als er zur Welt getreten;
Jetzt lallen Kinderlippen Dank,
Und Christenherzen beten.
Herr! Nimm die Deinen gnädig an!
Sieh' auf die Kinder, die sich nahn,
Um Liebe zu empfangen!
O segne, du bist segensreich,
Du Gott der Mild und Güte,
Die zarten Herzen sanft und weich,
Der Menschheit neue Blüte!
Damit das künftige Geschlecht
Im Lieben treu, im Leben recht,
Dir deinen Tempel baue!
Als unser Herr zur Erde kam
Ins Tal der Not und Sünden,
Die Last der Menschheit auf sich nahm,
Sein göttlich Reich zu gründen!
Da pflanzt er Lieb' und Gottvertraun,
Wohltätig in die Tränenau'n
Des armen Menschenlebens.
Versöhnung bracht' er, Trost und Licht,
Sein tun war Heil und Segen,
Sein Wort gab Kraft und Zuversicht
Auf schweren Prüfungswegen;
Ein Heil, ein Glaub', ein Liebesbund
Sollt auf dem ganzen Erdengrund
Die Seinen treu verbinden!
Der Göttliche war Kinderfreund;
Der Unschuld frommes Lallen,
Ihr Blick, dem alles heiter scheint,
War ihm ein Wohlgefallen.
In Kinderherzen zart und weich,
Erblickt er seines Vaters Reich,
Und ließ sie zu sich kommen.
Er sprach: das heiligste Gebot
Ist das Gebot der Liebe!
Und starb den schweren Opfertod
Im Wohltun und in Liebe!
Wir sind die Seinen, unsre Bahn
Geht glaubensfroh zu ihm hinan,
Durch Wohltun und durch Liebe!
Drum hat sich Lieb' und Zärtlichkeit
Das Weihnachtsfest erkoren,
Und Freud' und Wohltun dem geweiht,
Der einst der Welt geboren.
Beglückt vereint sich Groß und Klein,
Um in der Liebe Sonnenschein
Sein heilig Fest zu feiern!
Einst tönte Cherubimgesang,
Als er zur Welt getreten;
Jetzt lallen Kinderlippen Dank,
Und Christenherzen beten.
Herr! Nimm die Deinen gnädig an!
Sieh' auf die Kinder, die sich nahn,
Um Liebe zu empfangen!
O segne, du bist segensreich,
Du Gott der Mild und Güte,
Die zarten Herzen sanft und weich,
Der Menschheit neue Blüte!
Damit das künftige Geschlecht
Im Lieben treu, im Leben recht,
Dir deinen Tempel baue!
— August Mahlmann
