Besinnliches zu Heiligabend u.Weihnacht

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Viele wunderschöne klassische und moderne Wintergedichte. Gedanken rund um Schnee, Eis und Kaminfeuer.
 
Bethlehem

Aus voller Silberschale
gießt fahles Licht der Mond.
Mit blendend hellem Strahle
ein Stern am Himmel thront.

Eine ärmliche Bauernhütte
verklärt er mit feurigem Lohn,
drin ruht auf weicher Schütte
Maria mit dem Sohn.

Aus fernen Morgenlande
auf sterngewiesenem Pfad,
im schimmernden Prachtgewande
sind die drei Könige genaht.

Sie knieten anbetend vorm Knaben
und küßten ihm Stirn und Haar
und brachten kostbare Gaben:
Gold, Weihrauch und Myrrhen ihm dar.

Ein Hirtenbub stand ferne,
scheu abwärts den Blick gesenkt,
auch er hätt' gar so gerne
dem Heiland etwas geschenkt.

Er hat nichts, das er böte,
ist aller Gaben bar:
Auf seiner Hirtenflöte
bringt er ein Lied ihm dar.

Da wendet sich von den Königen
der Knab und lächelt süß
und lauscht dem zaubertönigen
Lied, das der Hirt ihm blies.

Die Englein hörten schallen
das Lied und machten es kund:
Den Menschen ein Wohlgefallen
und Frieden dem Erdenrund!

— Richard Zoozmann

Weihnachtslied

Empor zu Gott mein Lobgesang!
Er, dem das Lied der Engel klang,
Der hohe Freudentag ist da!
Lob singet ihm! Halleluja!

Vom Himmel kam in dunkler Nacht,
Der uns das Lebenslicht gebracht!
Nun leuchtet uns ein milder Strahl,
Wie Morgenrot im dunklen Tal.

Er kam, des Vaters Ebenbild,
Vom schlichten Pilgerkleid umhüllt,
Und führet uns mit sanfter Hand,
Ein treuer Hirt, ins Vaterland.

Er, der dort oben herrlich thront,
Hat unter uns, ein Mensch, gewohnt,
Damit auch wir ihm werden gleich
Auf Erden und im Himmelreich!

Einst führet er zur Himmelsbahn
Uns, seine Brüder, auch hinan,
Und wandelt unser Pilgerkleid
In Sternenglanz und Herrlichkeit.

Empor zu Gott, mein Lobgesang!
Er, dem der Engel Lied erklang,
Der hohe Freudentag ist da!
Ihr Christen singt: Halleluja!

— Friedrich Adolph Krummacher

Weihnachten

Die eisige Straße mit Schienengeleisen,
Die Häusermasse in steinernen Reih`n,
Der Schnee in Haufen, geisterweißen,
Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein.

Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen,
Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn;
Bekreuzen die Brust, kaum daß sie sich regen,
Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn.

Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten,
Umgeben von Mutter und Hirten und Stall,
Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten,
Liegt da wie im Mittelpunkte des All.

Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren,
Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht,
Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren,
Knien tausend und tausend Jahr im Gebet.

Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen;
Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief,
Siehst du sie atmen mit behutsamen Herzen
Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.

— Max Dauthendey

Die heiligen drei Könige

Die heiligen drei Könige stehn vorm Haus,
Maria guckt zum Fenster heraus.

"Ihr heiligen drei Könige, kommt nur herein,
es wird schon für euch noch ein Plätzel sein."

Sie gingen gebückt in den kleinen Stall
und fielen auf ihre Knie all.

"Wir sind drei Könige, kommen weit her,
du aber, o Christkind, bist viel mehr.

Hast gar keine Krone, hast gar keine Zier,
hast aber ein königlich Herz in dir.

Das wirft den allerhellsten Schein
und wird die Krone der Menschheit sein."

Die Könige gingen. Maria sann
und sah aus Tränen ihr Kindel an.

— Otto Julius Bierbaum

O du fröhliche

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre:
Freue, freue dich, o Christenheit!

— Johannes Falk

Schlafendes Jesuskind

Sohn der Jungfrau, Himmelskind! Am Boden
auf dem Holz der Schmerzen eingeschlafen,
das der fromme Meister, sinnvoll spielend,
deinen leichten Träumen unterlegte;

Blume du, noch in der Knospe dämmernd
eingehüllt die Herrlichkeit des Vaters!
O wer sehen konnte, welche Bilder
hinter dieser Stirne, diesen schwarzen
Wimpern sich in sanftem Wechsel malen!

— Eduard Mörike

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