Weihnachtsgedichte
Es treibt der Wind
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.
— Rainer Maria Rilke
Weihnachten
Nun ist das Fest der Weihenacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Karpfenessen; --
und Groß und Klein und Arm und Reich, --
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht's in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Mähre.
Papa liest's der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr...
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
dass es ihm hinterm Zaune nütze.
Nun ist das Fest der Weihenacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Karpfenessen; --
und Groß und Klein und Arm und Reich, --
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht's in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Mähre.
Papa liest's der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr...
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
dass es ihm hinterm Zaune nütze.
— Erich Mühsam
Das Weihnachtsbäumlein
Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.
Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.
— Christian Morgenstern
Am Abend vor Weihnacht
Der Schattenmantel der Nacht Legt sich schmiegend und sacht Über wolkenflockigen Schnee, Umhüllt den gefrorenen See. Nebel huschen schemenhaft bleich Über gefrosteten Uferrand. Hoch oben die Burg konturenweich- Ein adventliches Märchenland. Das Leben ringsum verstummt. In zauberhaftem Schweigen Liegt die Erde vermummt Unter schneeschweren Zweigen. Still schwingt die Nacht den Zauberstab Der mich zutiefst gefangennimmt. Beglückt geh' ich den Weg hinab, Den mir ein frommes Licht bestimmt. Zuhause wohlig dann geborgen Erwarte ich beseelt den Morgen. Dann kommt das Christuskind zu mir- Zu allen Menschen. Auch zu dir!— Gudrun Sarkar
Weihnachtslied
Brich an du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht,
Der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten aus der Fern',
Es ist ein Schimmer, ist ein Stern,
Von dem ich längst gehöret.
Nun wird ein König aller Welt,
Von Ewigkeit zum Heil bestellt,
Ein zartes Kind geboren.
Der Teufel hat sein altes Recht
Am ganzen menschlichen Geschlecht
Verspielt schon und verloren.
Der Himmel ist jetzt nimmer weit,
Es naht die sel'ge Gotteszeit,
Der Freiheit und der Liebe.
Wohlauf, du frohe Christenheit!
Dass Jeder sich nach langem Streit
In Friedenswerken übe.
Ein ewig festes Liebesband
Hält jedes Haus und jedes Land
Und alle Welt umfangen,
Wir alle sind ein heil'ger Stamm,
Der Löwe spielet mit dem Lamm,
Das Kind am Nest der Schlangen.
Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind
Mit lächelnder Geberde.
Wir grüßen dich du Sternenheld!
Willkommen Heiland aller Welt!
Willkommen auf der Erde!
Brich an du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht,
Der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten aus der Fern',
Es ist ein Schimmer, ist ein Stern,
Von dem ich längst gehöret.
Nun wird ein König aller Welt,
Von Ewigkeit zum Heil bestellt,
Ein zartes Kind geboren.
Der Teufel hat sein altes Recht
Am ganzen menschlichen Geschlecht
Verspielt schon und verloren.
Der Himmel ist jetzt nimmer weit,
Es naht die sel'ge Gotteszeit,
Der Freiheit und der Liebe.
Wohlauf, du frohe Christenheit!
Dass Jeder sich nach langem Streit
In Friedenswerken übe.
Ein ewig festes Liebesband
Hält jedes Haus und jedes Land
Und alle Welt umfangen,
Wir alle sind ein heil'ger Stamm,
Der Löwe spielet mit dem Lamm,
Das Kind am Nest der Schlangen.
Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind
Mit lächelnder Geberde.
Wir grüßen dich du Sternenheld!
Willkommen Heiland aller Welt!
Willkommen auf der Erde!
— Max von Schenkendorf
Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
in seinem höchsten Thron,
der heut schleust auf sein Himmelreich
und schenkt uns seinen Sohn!
Er kommt aus seines Vaters Schoß
und wird ein Kindlein klein;
er liegt dort elend, nackt und bloß
in einem Krippelein.
Er äußert sich all seiner Gewalt,
wird niedrig und gering,
nimmt an sich eines Knechts Gewalt,
der Schöpfer aller Ding'!
Er liegt an seiner Mutter Brust,
ihr' Milch ist seine Speis',
an dem die Engel sehn ihr' Lust,
denn er ist Davids Reis,
das seinem Stamm entsprießen sollt'
in dieser letzten Zeit,
durch welchen Gott aufrichten wollt'
sein Reich, die Christenheit.
Er wechselt mit uns wunderlich,
Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in sein's Vaters Reich
die klare Gottheit dran.
Er wird ein Knecht und ich ein Herr;
das mag ein Wechsel sein!
Wie könnt er doch sein freundlicher,
das Herzejesulein.
Heut schleust er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür.
Gott sei Lob, Ehr und Preis!
Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
in seinem höchsten Thron,
der heut schleust auf sein Himmelreich
und schenkt uns seinen Sohn!
Er kommt aus seines Vaters Schoß
und wird ein Kindlein klein;
er liegt dort elend, nackt und bloß
in einem Krippelein.
Er äußert sich all seiner Gewalt,
wird niedrig und gering,
nimmt an sich eines Knechts Gewalt,
der Schöpfer aller Ding'!
Er liegt an seiner Mutter Brust,
ihr' Milch ist seine Speis',
an dem die Engel sehn ihr' Lust,
denn er ist Davids Reis,
das seinem Stamm entsprießen sollt'
in dieser letzten Zeit,
durch welchen Gott aufrichten wollt'
sein Reich, die Christenheit.
Er wechselt mit uns wunderlich,
Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in sein's Vaters Reich
die klare Gottheit dran.
Er wird ein Knecht und ich ein Herr;
das mag ein Wechsel sein!
Wie könnt er doch sein freundlicher,
das Herzejesulein.
Heut schleust er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür.
Gott sei Lob, Ehr und Preis!
— Nicolaus Hermann
