Besinnliches zu Heiligabend u.Weihnacht

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Viele wunderschöne klassische und moderne Wintergedichte. Gedanken rund um Schnee, Eis und Kaminfeuer.
 
Christlied

Vom Himmel kam der Engel Schar,
Erschien den hirten offenbar;
Sie sagten ihn': ein Kindlein zart
Das liegt dort in der Krippe hart.

Zu Bethlehem in Davids Stadt,
Wie Micha das verkündet hat.
Es ist der Herre Jesus Christ,
Der euer aller Heiland ist.

Da sollt ihr billig fröhlich sein,
Dass Gott mit euch ist worden ein.
Er ist geborne eur Fleisch und Blut,
Eur Bruder ist das ewig Gut.

Was kann euch tun die Sünd' und Tod?
Ihr habt mit euch den wahren Gott.
Lasst zürnen Teufel und die Höll:
Gott's Sohn ist worden eur Gesell.

Er will und kann euch lassen nicht,
Setzt ihr auf ihn eur Zuversicht:
Es mögen euch viel fechten an:
Dem sei Trotz, der's nicht lassen kann.

Zuletzt müsst ihr doch haben recht
Ihr seid nun worden Gotts Geschlecht,
Und danket Gott in Ewigkeit,
Geduldig, fröhlich allezeit.

— Martin Luther

Herein

Das Glöcklein erklingt: Ihr Kinder, herein!
Kommt alle, die Türe ist offen!
Da steh'n sie, geblendet vom goldigen Schein,
von Staunen und Freude betroffen.
Wie schimmert und flimmert von Lichtern der Baum!
Die Gaben zu greifen, sie wagen's noch kaum,
sie steh'n wie verzaubert in seligem Traum. -
So nehmt nur mit fröhlichen Händen,
ihr Kleinen, die köstlichen Spenden!

Und mächtig ertönen die Glocken im Chor,
zum Haufe des Herrn uns zu rufen:
Das Fest ist bereitet und offen das Tor,
heran zu den heiligen Stufen!
Und steht ihr geblendet vom himmlischen Licht,
und faßt ihr das Wunder, das göttliche, nicht:
Ergreift, was die ewige Liebe verspricht,
und laßt euch den seligen Glauben,
ihr Kinder des Höchsten, nicht rauben!

Und hat er die Kinder nun glücklich gemacht,
die großen so gut wie die kleinen,
dann wandert der Engel hinaus in die Nacht,
um anderen zum Gruß zu erscheinen.
Am Himmel, da funkeln die Sterne so klar,
auf Erden, da jubelt die fröhliche Schar. -
So tönen die Glocken von Jahr zu Jahr,
so klingt es und hallt es auch heute,
o seliges Weihnachtsgeläute!

— Karl Gerok

Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die niedre Pforte
zu der Mutter und dem Kind,
fuhr das himmlische Gesind
fort im Sternenraum zu singen,
fuhr der Himmel fort zu klingen:
"Friede, Friede! auf der Erde!"

Seit die Engel so geraten,
o wie viele blut'ge Taten
hat der Streit auf wildem Pferde,
der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
sang der Chor der Geister zagend,
dringlich flehend, leis verklagend:
"Friede, Friede ... auf der Erde!"

Doch es ist ein ew'ger Glaube,
daß der Schwache nicht zum Raube
jeder frechen Mordgebärde
werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
webt und wirkt in Mord und Grauen,
und ein Reich will sich erbauen,
das den Frieden sucht der Erde.

Mählich wird es sich gestalten,
seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
und ein königlich Geschlecht
wird erblühn mit starken Söhnen,
dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!

— Conrad Ferdinand Meyer

Heiliger Morgen

Von den Tannen träufelt Märchenduft;
Leise Weihnachtsglocken sind erklungen –
Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
Denn ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.

Graue Wolken kämpfen fernen Kampf;
Blau darüber strahlt ein harter Himmel.
Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf
Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.

Kommt Herr Doktor Schlapprian daher,
Zigaretten- und Absinthvertilger!
Voll erhab'nen Hohns lächelt er,
Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.

Spöttisch grüßend schlendert er dahin
Und – verachtet mich, den blöden Gimpel,
Der gefügig spannt den dumpfen Sinn
In die Enge, ein »Familiensimpel«. –

Rote Sonne überm Schneegefild:
Und das weite Feld ein Sterngewimmel!
Und ins Auge spann ich euer Bild,
Wundererde – unerforschter Himmel.

Und den frischen, kalten, klaren Tag
Saug' ich ein mit gierig starken Lungen –
Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag,
Und ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.

— Otto Ernst

Christnacht

Der Engel der Verkündigung:

Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!

Ein Hirte:

Was seh' ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.

Chor der Hirten:

Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.

Chor der Seraphim:

Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.

Chor der Hirten:

Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!

Chor der Seraphim:

Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!

Der Engel der Verkündigung:

Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!

Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.

Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.

Chor der Hirten:

Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.

Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.

Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!

Der Engel der Verkündigung:

Schon les' ich in den Weiten
Des künft'gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.

Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes "Werde"
Erblüht sie jugendlich.

Chor der Seraphim:

Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!

— August von Platen

Weihnachtsstimmen

Unter tiefem Schnee die Welt,
Doch im Herzen Blühn und Sprossen -
Sternenlicht vom Himmelszelt
Auf die Erde ausgegossen -
Fromme Hirten hier im Tal,
Dort des Welterlösers Krippe:
Heil'ge Nacht voll Licht und Strahl,
Feiernd grüßt dich jede Lippe!

Heil'ge Nacht, du süße Nacht,
Nacht der grünen Tannenbäume,
Wo die Engel halten Wacht
Über goldne Kinderträume,
Wo die ärmste Menschenbrust
Sich dem heil'gen Licht erschließet,
Das vom Himmel unbewusst
Weihnachtsfreuden niedergießet:

Führe du gen Bethlehem
Heute noch die frommen Hirten;
Kön'ge von Jerusalem,
Bringet Weihrauch, bringet Myrten:
Zeigt es, dass der große Streit,
Der die Menschen trennt nur Lüge,
Dass die Liebe Blumen streut
Auf des ärmsten Kindes Wiege! -

Engel grüßen euch daraus; -
Habt ihr nicht den Ruf vernommen:
"Treten in des Armen Haus",
"Lasst die Kindlein zu euch kommen!?"
Jedes Kind ein Christuskind,
Dessen Herz noch rein vor Lüge,
Und die Hütten Bethlehems sind
Wo die Armut in der Wiege.

Drum, ihr Hirten, nehmt den Stab
Und verlasset eure Herden:
Zieht gen Bethlehem hinab:
Fried' und Freud sei auf Erden!
Denn es leuchtet hell der Stern,
Dem zu folgen euch beschieden:
Gebt die Ehre Gott dem Herrn -
Aber seiner Welt den Frieden!

— Rudolf Bunge

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