Besinnliches zu Heiligabend u.Weihnacht
Friede auf Erden
Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die niedre Pforte
zu der Mutter und dem Kind,
fuhr das himmlische Gesind
fort im Sternenraum zu singen,
fuhr der Himmel fort zu klingen:
"Friede, Friede! auf der Erde!"
Seit die Engel so geraten,
o wie viele blut'ge Taten
hat der Streit auf wildem Pferde,
der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
sang der Chor der Geister zagend,
dringlich flehend, leis verklagend:
"Friede, Friede ... auf der Erde!"
Doch es ist ein ew'ger Glaube,
daß der Schwache nicht zum Raube
jeder frechen Mordgebärde
werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
webt und wirkt in Mord und Grauen,
und ein Reich will sich erbauen,
das den Frieden sucht der Erde.
Mählich wird es sich gestalten,
seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
und ein königlich Geschlecht
wird erblühn mit starken Söhnen,
dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!
Da die Hirten ihre Herde
ließen und des Engels Worte
trugen durch die niedre Pforte
zu der Mutter und dem Kind,
fuhr das himmlische Gesind
fort im Sternenraum zu singen,
fuhr der Himmel fort zu klingen:
"Friede, Friede! auf der Erde!"
Seit die Engel so geraten,
o wie viele blut'ge Taten
hat der Streit auf wildem Pferde,
der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil'gen Nacht
sang der Chor der Geister zagend,
dringlich flehend, leis verklagend:
"Friede, Friede ... auf der Erde!"
Doch es ist ein ew'ger Glaube,
daß der Schwache nicht zum Raube
jeder frechen Mordgebärde
werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
webt und wirkt in Mord und Grauen,
und ein Reich will sich erbauen,
das den Frieden sucht der Erde.
Mählich wird es sich gestalten,
seines heil'gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
und ein königlich Geschlecht
wird erblühn mit starken Söhnen,
dessen helle Tuben dröhnen:
Friede, Friede auf der Erde!
— Conrad Ferdinand Meyer
Heiliger Morgen
Von den Tannen träufelt Märchenduft;
Leise Weihnachtsglocken sind erklungen –
Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
Denn ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Graue Wolken kämpfen fernen Kampf;
Blau darüber strahlt ein harter Himmel.
Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf
Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.
Kommt Herr Doktor Schlapprian daher,
Zigaretten- und Absinthvertilger!
Voll erhab'nen Hohns lächelt er,
Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.
Spöttisch grüßend schlendert er dahin
Und – verachtet mich, den blöden Gimpel,
Der gefügig spannt den dumpfen Sinn
In die Enge, ein »Familiensimpel«. –
Rote Sonne überm Schneegefild:
Und das weite Feld ein Sterngewimmel!
Und ins Auge spann ich euer Bild,
Wundererde – unerforschter Himmel.
Und den frischen, kalten, klaren Tag
Saug' ich ein mit gierig starken Lungen –
Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag,
Und ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Von den Tannen träufelt Märchenduft;
Leise Weihnachtsglocken sind erklungen –
Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
Denn ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Graue Wolken kämpfen fernen Kampf;
Blau darüber strahlt ein harter Himmel.
Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf
Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.
Kommt Herr Doktor Schlapprian daher,
Zigaretten- und Absinthvertilger!
Voll erhab'nen Hohns lächelt er,
Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.
Spöttisch grüßend schlendert er dahin
Und – verachtet mich, den blöden Gimpel,
Der gefügig spannt den dumpfen Sinn
In die Enge, ein »Familiensimpel«. –
Rote Sonne überm Schneegefild:
Und das weite Feld ein Sterngewimmel!
Und ins Auge spann ich euer Bild,
Wundererde – unerforschter Himmel.
Und den frischen, kalten, klaren Tag
Saug' ich ein mit gierig starken Lungen –
Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag,
Und ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
— Otto Ernst
Christnacht
Der Engel der Verkündigung:
Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!
Ein Hirte:
Was seh' ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.
Chor der Hirten:
Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.
Chor der Seraphim:
Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.
Chor der Hirten:
Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!
Chor der Seraphim:
Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!
Der Engel der Verkündigung:
Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!
Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.
Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.
Chor der Hirten:
Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.
Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.
Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!
Der Engel der Verkündigung:
Schon les' ich in den Weiten
Des künft'gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.
Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes "Werde"
Erblüht sie jugendlich.
Chor der Seraphim:
Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!
Der Engel der Verkündigung:
Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!
Ein Hirte:
Was seh' ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.
Chor der Hirten:
Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.
Chor der Seraphim:
Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.
Chor der Hirten:
Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!
Chor der Seraphim:
Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!
Der Engel der Verkündigung:
Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!
Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.
Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.
Chor der Hirten:
Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.
Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.
Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!
Der Engel der Verkündigung:
Schon les' ich in den Weiten
Des künft'gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.
Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes "Werde"
Erblüht sie jugendlich.
Chor der Seraphim:
Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!
— August von Platen
Weihnachtsstimmen
Unter tiefem Schnee die Welt,
Doch im Herzen Blühn und Sprossen -
Sternenlicht vom Himmelszelt
Auf die Erde ausgegossen -
Fromme Hirten hier im Tal,
Dort des Welterlösers Krippe:
Heil'ge Nacht voll Licht und Strahl,
Feiernd grüßt dich jede Lippe!
Heil'ge Nacht, du süße Nacht,
Nacht der grünen Tannenbäume,
Wo die Engel halten Wacht
Über goldne Kinderträume,
Wo die ärmste Menschenbrust
Sich dem heil'gen Licht erschließet,
Das vom Himmel unbewusst
Weihnachtsfreuden niedergießet:
Führe du gen Bethlehem
Heute noch die frommen Hirten;
Kön'ge von Jerusalem,
Bringet Weihrauch, bringet Myrten:
Zeigt es, dass der große Streit,
Der die Menschen trennt nur Lüge,
Dass die Liebe Blumen streut
Auf des ärmsten Kindes Wiege! -
Engel grüßen euch daraus; -
Habt ihr nicht den Ruf vernommen:
"Treten in des Armen Haus",
"Lasst die Kindlein zu euch kommen!?"
Jedes Kind ein Christuskind,
Dessen Herz noch rein vor Lüge,
Und die Hütten Bethlehems sind
Wo die Armut in der Wiege.
Drum, ihr Hirten, nehmt den Stab
Und verlasset eure Herden:
Zieht gen Bethlehem hinab:
Fried' und Freud sei auf Erden!
Denn es leuchtet hell der Stern,
Dem zu folgen euch beschieden:
Gebt die Ehre Gott dem Herrn -
Aber seiner Welt den Frieden!
Unter tiefem Schnee die Welt,
Doch im Herzen Blühn und Sprossen -
Sternenlicht vom Himmelszelt
Auf die Erde ausgegossen -
Fromme Hirten hier im Tal,
Dort des Welterlösers Krippe:
Heil'ge Nacht voll Licht und Strahl,
Feiernd grüßt dich jede Lippe!
Heil'ge Nacht, du süße Nacht,
Nacht der grünen Tannenbäume,
Wo die Engel halten Wacht
Über goldne Kinderträume,
Wo die ärmste Menschenbrust
Sich dem heil'gen Licht erschließet,
Das vom Himmel unbewusst
Weihnachtsfreuden niedergießet:
Führe du gen Bethlehem
Heute noch die frommen Hirten;
Kön'ge von Jerusalem,
Bringet Weihrauch, bringet Myrten:
Zeigt es, dass der große Streit,
Der die Menschen trennt nur Lüge,
Dass die Liebe Blumen streut
Auf des ärmsten Kindes Wiege! -
Engel grüßen euch daraus; -
Habt ihr nicht den Ruf vernommen:
"Treten in des Armen Haus",
"Lasst die Kindlein zu euch kommen!?"
Jedes Kind ein Christuskind,
Dessen Herz noch rein vor Lüge,
Und die Hütten Bethlehems sind
Wo die Armut in der Wiege.
Drum, ihr Hirten, nehmt den Stab
Und verlasset eure Herden:
Zieht gen Bethlehem hinab:
Fried' und Freud sei auf Erden!
Denn es leuchtet hell der Stern,
Dem zu folgen euch beschieden:
Gebt die Ehre Gott dem Herrn -
Aber seiner Welt den Frieden!
— Rudolf Bunge
Weihnachtslied
Als unser Herr zur Erde kam
Ins Tal der Not und Sünden,
Die Last der Menschheit auf sich nahm,
Sein göttlich Reich zu gründen!
Da pflanzt er Lieb' und Gottvertraun,
Wohltätig in die Tränenau'n
Des armen Menschenlebens.
Versöhnung bracht' er, Trost und Licht,
Sein tun war Heil und Segen,
Sein Wort gab Kraft und Zuversicht
Auf schweren Prüfungswegen;
Ein Heil, ein Glaub', ein Liebesbund
Sollt auf dem ganzen Erdengrund
Die Seinen treu verbinden!
Der Göttliche war Kinderfreund;
Der Unschuld frommes Lallen,
Ihr Blick, dem alles heiter scheint,
War ihm ein Wohlgefallen.
In Kinderherzen zart und weich,
Erblickt er seines Vaters Reich,
Und ließ sie zu sich kommen.
Er sprach: das heiligste Gebot
Ist das Gebot der Liebe!
Und starb den schweren Opfertod
Im Wohltun und in Liebe!
Wir sind die Seinen, unsre Bahn
Geht glaubensfroh zu ihm hinan,
Durch Wohltun und durch Liebe!
Drum hat sich Lieb' und Zärtlichkeit
Das Weihnachtsfest erkoren,
Und Freud' und Wohltun dem geweiht,
Der einst der Welt geboren.
Beglückt vereint sich Groß und Klein,
Um in der Liebe Sonnenschein
Sein heilig Fest zu feiern!
Einst tönte Cherubimgesang,
Als er zur Welt getreten;
Jetzt lallen Kinderlippen Dank,
Und Christenherzen beten.
Herr! Nimm die Deinen gnädig an!
Sieh' auf die Kinder, die sich nahn,
Um Liebe zu empfangen!
O segne, du bist segensreich,
Du Gott der Mild und Güte,
Die zarten Herzen sanft und weich,
Der Menschheit neue Blüte!
Damit das künftige Geschlecht
Im Lieben treu, im Leben recht,
Dir deinen Tempel baue!
Als unser Herr zur Erde kam
Ins Tal der Not und Sünden,
Die Last der Menschheit auf sich nahm,
Sein göttlich Reich zu gründen!
Da pflanzt er Lieb' und Gottvertraun,
Wohltätig in die Tränenau'n
Des armen Menschenlebens.
Versöhnung bracht' er, Trost und Licht,
Sein tun war Heil und Segen,
Sein Wort gab Kraft und Zuversicht
Auf schweren Prüfungswegen;
Ein Heil, ein Glaub', ein Liebesbund
Sollt auf dem ganzen Erdengrund
Die Seinen treu verbinden!
Der Göttliche war Kinderfreund;
Der Unschuld frommes Lallen,
Ihr Blick, dem alles heiter scheint,
War ihm ein Wohlgefallen.
In Kinderherzen zart und weich,
Erblickt er seines Vaters Reich,
Und ließ sie zu sich kommen.
Er sprach: das heiligste Gebot
Ist das Gebot der Liebe!
Und starb den schweren Opfertod
Im Wohltun und in Liebe!
Wir sind die Seinen, unsre Bahn
Geht glaubensfroh zu ihm hinan,
Durch Wohltun und durch Liebe!
Drum hat sich Lieb' und Zärtlichkeit
Das Weihnachtsfest erkoren,
Und Freud' und Wohltun dem geweiht,
Der einst der Welt geboren.
Beglückt vereint sich Groß und Klein,
Um in der Liebe Sonnenschein
Sein heilig Fest zu feiern!
Einst tönte Cherubimgesang,
Als er zur Welt getreten;
Jetzt lallen Kinderlippen Dank,
Und Christenherzen beten.
Herr! Nimm die Deinen gnädig an!
Sieh' auf die Kinder, die sich nahn,
Um Liebe zu empfangen!
O segne, du bist segensreich,
Du Gott der Mild und Güte,
Die zarten Herzen sanft und weich,
Der Menschheit neue Blüte!
Damit das künftige Geschlecht
Im Lieben treu, im Leben recht,
Dir deinen Tempel baue!
— August Mahlmann
Weihnachtsgesang
Der Herr des Himmels sprach vom Sternenthrone:
"Erfüllt sei nun der Rat der Ewigkeit;
Auf Erden soll sich in dem Himmelssohne
Die höchste Huld enthüllen in der Zeit."
Da naht der Lenz: "O wolle mir vertrauen,
Wann er das Licht erblickt, das Gotteskind;
Ich will es legen auf die blum'gen Auen
Und fächeln mit den Lüften süß und lind."
"Die weichen Blumen sollen sich verschlingen
Zur Wiege ihm von fürstlich lichter Pracht;
In Schlummer soll der Vögel Lied ihn singen,
Der bald als schönster Frühling uns erwacht."
"Auf Erden sei der Heiland froh empfangen" -
Beginnt darauf der Sommer voller Glut -
"Wenn in dem dunklen Grün die Rosen prangen,
So weiß wie Lilien und so rot wie Blut.
Die schönsten Rosenblüten will ich pflücken,
Und winden ihm der Freude duft'gen Kranz;
Dem Friedensfürsten sollen hold sie schmücken
Das heil'ge Haupt als würd'ger Herrscherkranz."
"Wenn reich des Himmels Segen dort auf Erden -
So rief der Herbst - "in Früchten sich erfüllt,
Mag wohl der Gottessohn geboren werden,
Der aller Sehnsucht Frucht der Welt enthüllt."
"Ich biete ihm das reine Gold der Ähren,
Kredenze ihm der Trauben Purpurmost;
Denn dankbar freudig soll die Erde nähren
Den Himmelsgast mit ihrer besten Kost."
Noch spricht der Herr kein Wort, er scheint zu sehen,
Ob nicht der Winter auch zu hören sei;
Der aber bleibt, wie stumm, zur Seite stehen;
Da winkt der Herr den Zögernden herbei.
"Was schweigst du, Winter? Bist du im Gemüte
So kalt und frostig wie dein Schneegewand,
Dass dich der fromme Eifer nicht entglühte,
Den deiner Brüder warmes Herz empfand?"
"Wenn jemals, muss ich jetzt es, Gott, beklagen,
Dass ich der Winter bin, so rau und wild!
Wie könnte ich den Streit mit jenen wagen?
Nicht Frucht, noch Blumen trägt ja mein Gefild."
"Wie könnte ich den Ehren Kranz verlangen?
Er welket mit in meiner kalten Hand!"
"Und dennoch wird des Himmels Sohn empfangen
Zur Winterzeit, wenn Lust und Leben schwand."
"An meiner Brust wird er im Froste liegen,
Mein eis'ger Atem mehren seine Not!"
"Ihn lehrt dies Leid einst größer Leid besiegen,
Der Menschen Undank, bittren Schmerz und Tod."
"Ich kann ihn nicht in sanfter Wiege pflegen,
Nur betten auf die Fluren öd und kahl!"
"Auf Stein muss einst das Haupt zum Schlaf er legen.
Auf hartes Holt zur letzten Todesqual."
"Wohl keine Rosen wird er bei mir finden,
Nur scharfe Dornen an dem dürren Strauch."
"Aus Dornen soll er sich die Krone winden,
Die ihn erhebt nach königlichem Brauch."
"Und keine süßen Früchte kann ich geben,
Mir reift kein Korn, mir quillt kein süßer Wein."
"Der Qual des Hungers wird er widerstreben,
Mit Essig stillen seines Durstes Pein."
"Wenn streng du waltest, wird das Heil geboren,
O Winter, in gebenedeiter Nacht;
Und wurdest du zur Ehrenzeit erkoren,
Verdunkelst du, was stolz die Brüder macht."
"Ein Frühling wird in deinem Frost erblühen,
Dem seine Blumen nie der Sturm verweht,
Von ihren Blüten wird der Himmel glühen,
Wenn selber seiner Sterne Glanz verweht."
"Und eine Rose wird dem Schnee erstrahlen,
Wie keine je das Auge ward gewahr,
Die Dornen schwinden und die finstern Qualen
In ihrem Schimmer rein und wunderbar."
"Der Ähren Gold, der Purpursaft der Trauben,
Sie werden Schatten deiner Frucht nur sein,
Denn reifen wirst du dem beglückten Glauben
Des ew'gen Lebens Brot, der Liebe Wein."
"In deinem Schoße wird die Zukunft sehen
Das Heil der Zeit, den Sohn der Ewigkeit:
Die Palme werden denn dir zugestehen,
Wie freudig! Sommer, Herbst und Frühlingszeit."
Der Herr des Himmels sprach vom Sternenthrone:
"Erfüllt sei nun der Rat der Ewigkeit;
Auf Erden soll sich in dem Himmelssohne
Die höchste Huld enthüllen in der Zeit."
Da naht der Lenz: "O wolle mir vertrauen,
Wann er das Licht erblickt, das Gotteskind;
Ich will es legen auf die blum'gen Auen
Und fächeln mit den Lüften süß und lind."
"Die weichen Blumen sollen sich verschlingen
Zur Wiege ihm von fürstlich lichter Pracht;
In Schlummer soll der Vögel Lied ihn singen,
Der bald als schönster Frühling uns erwacht."
"Auf Erden sei der Heiland froh empfangen" -
Beginnt darauf der Sommer voller Glut -
"Wenn in dem dunklen Grün die Rosen prangen,
So weiß wie Lilien und so rot wie Blut.
Die schönsten Rosenblüten will ich pflücken,
Und winden ihm der Freude duft'gen Kranz;
Dem Friedensfürsten sollen hold sie schmücken
Das heil'ge Haupt als würd'ger Herrscherkranz."
"Wenn reich des Himmels Segen dort auf Erden -
So rief der Herbst - "in Früchten sich erfüllt,
Mag wohl der Gottessohn geboren werden,
Der aller Sehnsucht Frucht der Welt enthüllt."
"Ich biete ihm das reine Gold der Ähren,
Kredenze ihm der Trauben Purpurmost;
Denn dankbar freudig soll die Erde nähren
Den Himmelsgast mit ihrer besten Kost."
Noch spricht der Herr kein Wort, er scheint zu sehen,
Ob nicht der Winter auch zu hören sei;
Der aber bleibt, wie stumm, zur Seite stehen;
Da winkt der Herr den Zögernden herbei.
"Was schweigst du, Winter? Bist du im Gemüte
So kalt und frostig wie dein Schneegewand,
Dass dich der fromme Eifer nicht entglühte,
Den deiner Brüder warmes Herz empfand?"
"Wenn jemals, muss ich jetzt es, Gott, beklagen,
Dass ich der Winter bin, so rau und wild!
Wie könnte ich den Streit mit jenen wagen?
Nicht Frucht, noch Blumen trägt ja mein Gefild."
"Wie könnte ich den Ehren Kranz verlangen?
Er welket mit in meiner kalten Hand!"
"Und dennoch wird des Himmels Sohn empfangen
Zur Winterzeit, wenn Lust und Leben schwand."
"An meiner Brust wird er im Froste liegen,
Mein eis'ger Atem mehren seine Not!"
"Ihn lehrt dies Leid einst größer Leid besiegen,
Der Menschen Undank, bittren Schmerz und Tod."
"Ich kann ihn nicht in sanfter Wiege pflegen,
Nur betten auf die Fluren öd und kahl!"
"Auf Stein muss einst das Haupt zum Schlaf er legen.
Auf hartes Holt zur letzten Todesqual."
"Wohl keine Rosen wird er bei mir finden,
Nur scharfe Dornen an dem dürren Strauch."
"Aus Dornen soll er sich die Krone winden,
Die ihn erhebt nach königlichem Brauch."
"Und keine süßen Früchte kann ich geben,
Mir reift kein Korn, mir quillt kein süßer Wein."
"Der Qual des Hungers wird er widerstreben,
Mit Essig stillen seines Durstes Pein."
"Wenn streng du waltest, wird das Heil geboren,
O Winter, in gebenedeiter Nacht;
Und wurdest du zur Ehrenzeit erkoren,
Verdunkelst du, was stolz die Brüder macht."
"Ein Frühling wird in deinem Frost erblühen,
Dem seine Blumen nie der Sturm verweht,
Von ihren Blüten wird der Himmel glühen,
Wenn selber seiner Sterne Glanz verweht."
"Und eine Rose wird dem Schnee erstrahlen,
Wie keine je das Auge ward gewahr,
Die Dornen schwinden und die finstern Qualen
In ihrem Schimmer rein und wunderbar."
"Der Ähren Gold, der Purpursaft der Trauben,
Sie werden Schatten deiner Frucht nur sein,
Denn reifen wirst du dem beglückten Glauben
Des ew'gen Lebens Brot, der Liebe Wein."
"In deinem Schoße wird die Zukunft sehen
Das Heil der Zeit, den Sohn der Ewigkeit:
Die Palme werden denn dir zugestehen,
Wie freudig! Sommer, Herbst und Frühlingszeit."
— Edmund Dorer
